Kluges NRW: Recht auf Bildung für Alle

Nordrhein-Westfalen braucht alle Talente - von Anfang an. Nur so kann das Land gesellschaftlich und wirtschaftlich stärker werden. Nur so schaffen wir Bildungsgerechtigkeit auf Spitzenniveau.

Wir Grünen setzen uns für ein inklusives Bildungssystem und lebensbegleitendes Lernen ein. Das bedeutet konkret:

  • Wir brauchen mehr Qualität in den Kitas, in denen Kinder aller Altersgruppen durch hochqualifiziertes Personal wohnortnah betreut, befördert und gebildet werden.
  • Wir wollen leistungsstarke Schulen, die Kinder nicht beschämen und zurücklassen, sondern sie ermutigen, in ihrem Selbstbewusstsein stärken und eine neue Lernkultur leben.
  • Wir Grünen wollen jede Form des Aussortierens beenden - durch längeres gemeinsames Lernen. Wir wollen für Jugendliche ein Recht auf Ausbildung durchsetzen.
  • Wir wollen, dass mehr, nicht weniger junge Leute studieren. Aus Gründen der Gerechtigkeit darf Studieren nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.
  • Das Land muss die Fort- und Weiterbildung stärker unterstützen - auch finanziell.
  • Wir wollen die Ausgaben für Bildung durch einen Bildungssoli auf internationales Niveau anheben.

Bildung ist für uns Grüne mehr als die bloße Gewinnung von Qualifikationen für den Arbeitsmarkt. Bildung bedeutet das Herausbilden einer Persönlichkeit, miteinander zu lernen, Erziehung zur Demokratie und das Erlernen von sozialen Kompetenzen. Gute Bildung ist ein entscheidender Baustein für Chancengleichheit und Gerechtigkeit, für Demokratie und sozialen Zusammenhalt, für persönliche Zukunft und die Zukunft Nordrhein- Westfalens.

Starke Bildung für ein starkes Land. Denn: Zukunft ist jetzt!

1.KiTas: Kinder brauchen mehr

Gute Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern ist der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Wir wollen Kinder konsequent in den Mittelpunkt stellen. Alle Kinder sollen optimal gefördert werden. Dafür brauchen wir in allen Kindertageseinrichtungen eine hohe Qualität und ein bedarfsgerechtes Angebot. Entscheidend dafür sind gut ausgebildetes Personal und bessere Arbeitsbedingungen.

Bildung von Anfang an

Kinder haben das Recht auf die bestmögliche Förderung, damit ihre Persönlichkeitsentwicklung unterstützt und ihre Talente entwickelt werden können. Investitionen in frühkindliche Bildung zahlen sich aus. Wissenschaftliche Studien belegen das. Je länger Kinder eine Kindertagesstätte besuchen, desto besser sind die späteren Bildungsabschlüsse. Und Kitas können mit qualifiziertem Personal und guter Ausstattung mögliche Defizite ausgleichen. Kinder möglichst früh, qualifiziert und individuell zu fördern und in Kooperation mit dem Gesamtsystem, Eltern auf Augenhöhe in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken, ist gesellschaftliche Aufgabe und die Basis für ein gerechtes Bildungssystem. Wir möchten, dass alle Kinder das Angebot einer Kita nutzen.

Wir wollen in NRW die Kita der Zukunft zu einem Haus des Lebens und Lernens machen. Dieser Prozess soll sich am Leitbild einer Bildung für nachhaltige Entwicklung orientieren. Dadurch entstehen neue und veränderte Anforderungen. Bereits heute wird in der Kindertagesbetreuung engagierte und gute Arbeit geleistet, die in der gesellschaftlichen Anerkennung und bei der Entlohnung zu wenig gewürdigt wird. Wir wollen das Ausbildungs- und Qualifikationsniveau der Erzieherinnen und Erzieher schrittweise erhöhen. Entsprechend europäischen Standards fordern wir einen (Fach)Hochschulabschluss für das pädagogische Personal in Kindertagesstätten - zunächst auf Leitungsebene. Darüber hinaus wollen wir Weiterbildungsmöglichkeiten schaffen, um alle in Kitas tätigen Kräfte entsprechend der Bedeutung der frühkindlichen Bildung weiter zu qualifizieren - keine Berufsgruppe in der Kita soll außen vor gelassen und hinsichtlich der Qualifizierung abgehängt werden: Wir setzen weiterhin auf einen multiprofessionellen Personalmix. Die Höherqualifizierung der Fachkräfte muss sich auch in der Entlohnung ausdrücken.

Mit diesem multiprofessionellen Personalmix wollen wir Bildungsziele erreichen, die wir in einem Bildungsplan für NRW festlegen.

Wir wollen keine Verschulung der Kitas, sondern eine Bildungsvereinbarung, die den Entwicklungsprozessen von Kindern gerecht wird und die die an den Kitas beteiligten Kräfte mit einbezieht.

Zu einer exzellenten Kita gehören auch Naturerleben, Interkulturalität, viel Bewegung und Sport sowie gesunde Ernährung. Hierzu wollen wir landesweit bessere Standards festschreiben. Eine hervorragende Kinderbildung braucht eine mitbestimmende Elternvertretung auf allen Ebenen, nicht nur in den Kitas selbst, sondern auch auf kommunaler und auf Landesebene.

Wir Grünen wollen ein neues Kindertagesstättengesetz, das die Förderung der Kinder durch genügend qualifiziertes Personal wieder verbessert. Nur so können wir Kinder individuell fördern. Dazu ist ein finanzieller Zuschuss für Einrichtungen notwendig, die Fachkräfte mit einem Hochschulabschluss einstellen. Das ist internationaler Standard!

Notwendig ist auch ein breites Fortbildungsprogramm, um die Potentiale der Erzieherinnen und Erzieher und Kinderpflegerinnen und -pfleger besser zu erschließen. Wir wollen die notwendigen Strukturen schaffen, damit eine bessere Durchlässigkeit der verschiedenen Berufsbilder in der Kita möglich wird. Für Tagesmütter und -väter wird es nur dann Landeszuschüsse geben, wenn diese über eine Grundqualifikation von mindestens 160 Stunden verfügen und die Kommunen mindestens vier Euro pro Kind und Stunde an Vergütung bezahlen.

Grünes Ziel ist eine bessere Personalausstattung mit höher qualifiziertem Personal. Zur Entlastung der jetzigen Situation muss das Land zusätzliche Ergänzungskräfte für Kinder unter drei Jahren finanzieren.

Wir wollen Personalstandards und Gruppengrößen an wissenschaftlichen Empfehlungen orientieren. Dies bedeutet drei bis vier Kinder unter drei Jahren pro Fachkraft und höchstens acht Kinder pro Fachkraft für Kinder ab drei Jahren und folgende Gruppengrößen: für Kinder unter drei Jahren bis zu maximal zehn Kinder und für Kinder über 3 Jahre maximal 20 Kinder.

Sozial gerecht von Anfang an

Gerade Kinder aus bildungsfernen Schichten fördert unser Bildungssystem viel zu wenig. Deshalb brauchen Kitas in sozialen Brennpunkten mehr Zuschüsse als anderswo. Wichtig ist eine intensive Elternarbeit, um die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken.

Wir wollen mehr und besser ausgestattete Familienzentren, die diese Kinder und Familien umfassend stärken und unterstützen können. Dazu werden wir mit den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege und den Kommunen einen Arbeitsprozess zur Weiterentwicklung anstoßen, der den Ausbau, die Qualitätsentwicklung und die Finanzierung sicherstellt. Dabei ist die willkürliche Beschränkung der Familienzentrumskontingente auf eine Drittel der Kitas zu überprüfen und an die örtliche Bedarfssituation anzupassen.

Für finanziell schwache Eltern darf es keine finanziellen Hinderungsgründe für den Kindergartenbesuch ihrer Kinder geben. So soll das Mittagessen für diese Kinder kostenlos sein, perspektivisch auch für alle anderen Kinder.

Probleme beim Erwerb der deutschen Sprache haben nicht allein Kinder mit Migrationsgeschichte, sondern es hat ebenso etwas mit der sozialen Herkunft zu tun. Eine zusätzliche vorschulische Sprachförderung sollte möglichst früh einsetzen. Ob sie notwendig ist, sollen bei Kita-Kindern die vertrauten Erzieherinnen und Erzieher feststellen, die dann auch selbst die Sprachförderung vornehmen. Dabei ist die notwendige Koordinierung und Qualifizierung sicherzustellen

Die Kita ist der Ort für alle Kinder, unabhängig von der Herkunft, einer Behinderung oder davon, ob ein Kind aus armen oder reichen Verhältnissen stammt. Für Kinder mit Behinderung brauchen wir bedarfsgerecht zusätzliche Plätze in den Regelkindergärten mit der entsprechenden heilpädagogischen Förderung. Sondereinrichtungen wollen wir umwandeln.

Es ist ungerecht, dass Familien je nach Wohnort unterschiedliche Elternbeiträge zu zahlen haben. Gerade in Städten und Gemeinden mit einer einkommensschwachen Bevölkerung sind die Beiträge oft besonders hoch. Um diese soziale Spaltung abzubauen, wollen wir eine landeseinheitliche, soziale Staffelung der Elternbeiträge, die maximale Elternbeiträge für die einzelnen Einkommensstufen festlegt. Das Land soll Kommunen, die die gesetzlich festgelegte Elternbeitragsquote nicht erreichen, das Defizit hälftig ersetzen. Wir treten grundsätzlich für ein steuerfinanziertes Bildungssystem ein. Deshalb wollen wir die Elternbeiträge in den Kitas perspektivisch abschaffen.

Bedarfsgerecht von Anfang an

Unser Ziel ist es, Familie und Beruf durch ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot besser miteinander zu vereinbaren. Im Bund haben wir 2004 mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz den Startschuss für den Ausbau von Betreuungsplätzen gegeben und uns damit gegen die Bewahrer eines konservativen Familienbildes durchgesetzt.

Nordrhein-Westfalen ist heute bundesweites Schlusslicht beim Ausbau der Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren - trotz der bundesweiten Förderung des Ausbaus der U3-Plätze. Schuld daran ist die schwarzgelbe Landesregierung. Sie investiert selbst nichts in den Ausbau und verweigert den Kommunen ihnen zustehende Bundesmittel.

Wir wollen die Kommunen dabei unterstützen, dass sie möglichst früh den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr erfüllen. Sie sollen zugesagte und möglichst auch weitere Bundesmittel tatsächlich erhalten. Das Land muss alle selbstgesetzten Beschränkungen beim U3-Ausbau (U3-Kontingente) aufheben und die kommunalen Ausbaupläne eins zu eins mitfinanzieren.

Das KiBiz muss in die Generalrevision

Durch das sogenannte KiBiz haben sich die Rahmenbedingungen der Kindergärten in NRW massiv verschlechtert. Weniger Personal, mehr zusätzliche Aufgaben und Bürokratie für die Erzieherinnen und Erzieher, weniger Bedarfsgerechtigkeit für die Eltern.

Wir Grünen wollen ein anderes Finanzierungssystem, damit die Betreuungsangebote kindgerechter werden. Kinder sind unterschiedlich. Je nach Alter und Herkunft brauchen sie ein unterschiedliches Maß an Zuwendung. Das ist mit einer Pauschale pro Kind völlig unvereinbar. Wenn wir hier in Richtung Gruppenpauschale umsteuern, hat das noch weitere Vorteile: Die Träger bekommen mehr Planungssicherheit und Eltern und Kinder flexiblere Betreuungsangebote. Es ist nicht zeitgemäß, dass sich Eltern frühzeitig und für ein Jahr auf bestimmte Betreuungszeiten pro Woche verpflichten müssen. Notwendig sind vielmehr flexible und kindergerechte Öffnungs- und Betreuungszeiten, auch für Randzeiten oder an Samstagen.

Die Zusammenarbeit von Eltern und Kitas ist wichtig und wünschenswert. In jeder Einrichtung müssen die Eltern die Möglichkeit haben, mitzuwirken, insbesondere wenn es um die Regelung der Öffnungszeiten geht. Auch auf kommunaler und Landesebene möchten wir Grünen das Elternengagement stärken. Entsprechende Initiativen werden wir fördern.

Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern sind unterfinanziert

Die politischen PR-Abteilungen der Regierungsparteien behaupten, diese würden viel mehr Geld in die Kindertagesbetreuung stecken. Tatsächlich steigen in vielen Bundesländern die Ausgaben - doch nur aufgrund der zusätzlichen Plätze. Die Ausgaben pro Kind steigen nicht. Aber gerade das ist ein Gradmesser für ein bedarfsgerechtes und vor allem kindgerechtes Betreuungsangebot. Für ein hohes Niveau sind noch enorme finanzielle Anstrengungen notwendig.

150 Millionen Euro vom Bund als Teil der Gesamtbetriebskosten von mindestens 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2014 sind zu wenig. Wir fordern vom Bund eine stärkere finanzielle Beteiligung. Die jetzt schon fließenden Bundesmittel müssen in den Kitas ankommen. Die jetzige Landesregierung nutzt sie zum Stopfen von Haushaltslöchern. Das muss endlich ein Ende haben!

Öffentliche Zuschüsse an privat gewerbliche Kindergartenträger lehnen wir ebenso ab wie Gütesiegel: Beides führt zu Zweiklassen-Einrichtungen, was wir nicht wollen.

Wir wollen den Geburtenrückgang nicht zu Einsparungen nutzen, sondern die Mittel weiterhin in die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern investieren.

Wir gestalten den Übergang von der Kita in die Schule

Noch immer gibt es einen Bruch zwischen der Kita und dem Eintritt in die Schule. Wir wollen den Übergang von Kita zu Schule besser gestalten. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen muss gestärkt werden. Dazu sollen Bildungsvereinbarungen und Lehrpläne aufeinander abgestimmt werden. Gemeinsames Arbeiten der Beschäftigten beider Bereiche und gemeinsame Fort- und Weiterbildung sollen die Kontinuität zwischen Elementarpädagogik in der Kita und Primarpädagogik in der Grundschule gewährleisten.

Wir wollen

mehr Zeit für die Förderung von Kindern durch mehr und höher qualifiziertes Fachpersonal;

dass das KiBiz in die Generalrevision kommt. Wir wollen ein Finanzierungssystem auf Basis einer Gruppenpauschale und perspektivisch die Elternbeiträge abschaffen;

die landesrechtlichen Fesseln bei der Schaffung eines bedarfsgerechten Betreuungsangebots lösen.

2. Schule der Zukunft: Leistungsstark - vielfältig - gerecht

Wir Grünen wollen ein gerechtes, Individualität und Leistung förderndes Schulsystem für NRW, das Kinder und Jugendliche ermutigt und stärkt. Wir wollen die Schule von Grund auf neu denken und gestalten. Dabei greifen innere und äußere Schulreform ineinander:

  • Individuelle Förderung - Gemeinschaft erleben und gestalten: Gemeinsam lernen bis zum Ende der Pflichtschulzeit!
  • In Ganztagsschulen Zeit und Raum schaffen für das bessere Lernen: Schule als Lern- und Lebensort!
  • Voneinander und miteinander lernen - Respekt, Wertschätzung und Beteiligung prägen die neue Schulkultur: Es ist normal, verschieden zu sein!
  • Die neue Schule erkennt die Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler an, bringt ihnen Wertschätzung entgegen und ermöglicht vielfältige Lernwege.

Bildung ist mehr

Eine gute Schule zeichnet sich durch eine Kultur von Anerkennung und Wertschätzung der Verschiedenheit aus. Wir haben einen ganzheitlichen und umfassenden Bildungsbegriff, der Bildung als Wert an sich betrachtet - auch jenseits ökonomischer Verwertbarkeit. Bildung ist mehr als der Fertigkeitserwerb für einen Beruf. Soziales und emotionales Lernen gehört zur Entwicklung der Persönlichkeit ebenso wie kritisches und kreatives Denken. In die Schule gehört das Entdecken und Forschen, der Respekt vor Tieren sowie das Erleben von Natur und Bewegung, Kunst, Musik und Theater. Kinder sollen nicht nur das Lesen, Schreiben, Rechnen lernen, sondern auch singen, musizieren, malen, sich bewegen, handwerkliche und technische Kompetenzen entwickeln und vieles mehr. Lernen muss Sinn machen, Kinder und Jugendliche sollen lernen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Interkulturelles Lernen gehört ebenso dazu wie das Lernen und Leben von Demokratie. Lebensgestaltungs- und Nachhaltigkeitskompetenzen, z. B. Ernährung, Gesundheits- und Verbraucherbildung, gehören ebenso zu einem umfassenden Bildungsauftrag.

Für diese vielfältigen Aufgaben wollen wir die Schulen besser ausstatten. Wir wollen die Ausgaben des Landes für den Bildungsbereich auf international vergleichbares Niveau anheben und kleinere Klassen ermöglichen. Der Einsatz von Sozial- und Sonderpädagoginnen und -pädagogen, Schulpsychologinnen und -psychologen und anderen pädagogischen Professionen soll an allen Schulen die Regel werden. Die zusätzlichen Stellen wollen wir nicht auf die Lehrerinnen- und Lehrerstellen anrechnen.

Noch immer hängt der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft der Kinder und Jugendlichen ab. Kinder werden im Alter von nicht einmal neun Jahren einem Ausleseprozess unterworfen. Wir müssen an den Schulen Schluss machen mit dem Abschulen, Aussortieren und Beschämen. Wir müssen aufhören zu fragen: Zu welcher Schulform passt das Kind?

Schulklima, Lernkultur und Beteiligung

Die Qualität von Schule wird wesentlich von Schulklima und Lernkultur bestimmt.

Dies schließt die Partizipation von Eltern, Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften ein. Wir wollen die Drittelparität in der Schulkonferenz wieder einführen, um den Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern eine gleichberechtigte Teilhabe an wichtigen Entscheidungen zu ermöglichen. Nur wer Verantwortung bekommt, lernt verantwortliches Handeln. In der neuen Schule sind Eltern willkommen und wertgeschätzt. Sie können ihre Kompetenzen auf Augenhöhe einbringen und sollen - wo nötig - Unterstützung erhalten. In allen Schulen muss es multiprofessionelle Teams geben, die die Bildungsarbeit insgesamt unterstützen. Lehrkräfte sollen sich stärker auf ihre Aufgabe als Expertinnen und Experten für das Lernen konzentrieren können. Den Einfluss und die Teilhabe der Eltern auf Landesebene wollen wir durch einen Landeselternrat stärken.

Gute Schule wird vor Ort gemacht

Wir Grünen wollen Schluss machen mit der Gängelung durch die Schulbürokratie. Wir vertrauen auf die engagierten Expertinnen und Experten in den Schulen und wollen sie in ihrer pädagogischen Kompetenz ermutigen und stärken. Für eine gelingende Schulentwicklung müssen Schulleitung, pädagogisches und nichtpädagogisches Personal, Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern partnerschaftlich kooperieren.

Die gemeinsame Schule für alle Kinder

Das vielgliedrige Schulsystem ist längst an seine Grenzen gestoßen. Es fördert weder die starken noch die schwachen Schülerinnen und Schüler so, wie es nötig und möglich wäre. Bessere Förderung und damit bessere Leistungen sind nicht durch das Sortieren neunjähriger Kinder zu erreichen. Es kommt darauf an, die neue Lernkultur mit einer förderlichen neuen Schulstruktur zu verbinden. Jede Schule fördert jedes einmal aufgenommene Kind bis zu einem qualifizierten Schulabschluss. Nicht mehr das Aussortieren und Abschulen, sondern eine individuelle Förderung muss die Schule prägen. Wir wollen Lernbarrieren abbauen und eine gemeinsame Schule für alle Kinder bis zum Ende der Pflichtschulzeit schaffen. Eine Schule der Sekundarstufe II, die zur Fachhochschul- oder allgemeinen Hochschulreife führt bzw. ein berufsbildendes Profil anbietet, schließt sich an.

Ein integratives Schulsystem wird zwar mit klaren landespolitischen Zielen und Vorgaben entwickelt und gesteuert, aber es kann nur von unten wachsen, denn wir müssen alle Beteiligten einbinden. Deshalb gestalten wir Grünen einen Prozess, der bei den Kommunen ansetzt. Wir werden die bestehenden zentral vorgegebenen Schranken der Schulformen öffnen, damit sich das verkrustete Schulsystem in NRW mit dem demografischen Wandel, dem Schulwahlverhalten der Eltern und der zunehmenden kommunalpolitischen Bedeutung von Schulen am Ort zu einem System mit längerem gemeinsamem Lernen verändert. Wir werden die verbindlichen Grundschulgutachten und den Prognoseunterricht umgehend abschaffen. Unser Ziel ist ein Schulsystem, das nicht aussondert. Wir wollen Gemeinschaftsschulmodelle ermöglichen. Wir wollen jedes Jahr mindestens zehn Prozent der Schulen dafür gewinnen, sich auf den Weg zur Schule der Zukunft zu machen. Den Prozess hin zu einem integrativen Schulsystem wollen wir aktiv unterstützen und mit Anreizen versehen. Zentral sind dafür folgende Maßnahmen:

Wir lassen die Schule im Dorf

In den Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens entwickelt sich das Schulsystem längst weiter: Viele wollen die Bildungsgänge zusammenführen, durchlässige Verbundschulen oder Gemeinschaftsschulen gründen. Für die Kommunen ist es ein handfester Standortfaktor, ob Schülerinnen und Schüler vor Ort alle Bildungsabschlüsse erreichen können. Wir wollen den Kommunen die Möglichkeit geben, in Absprache mit den örtlichen Schulen selbst darüber zu entscheiden, alle weiterführenden Bildungsgänge organisatorisch und pädagogisch zusammenzuführen. Nur so bleibt in NRW die Schule im Dorf, nur so ist gewährleistet, dass vor Ort ein vollständiges, wohnortnahes Schulangebot mit allen Bildungsabschlüssen erhalten bleibt. Wer das Gymnasium von Verbünden ausschließt, behindert gymnasiale Bildung gerade im ländlichen Raum, verhindert die erforderliche qualitative Schulentwicklung und raubt den Kommunen einen Standortfaktor.

Wir schaffen kleinere Klassen

Auch bei sinkenden Schülerzahlen sollen die Lehrerstellen nicht reduziert, sondern zur Verbesserung der Rahmenbedingungen genutzt werden. Dazu gehört auch die grundsätzlich wünschenswerte Verringerung der Größe der Lerngruppen. Schulen, die alle Bildungsgänge des gegliederten Schulsystems organisatorisch und pädagogisch in sich vereinen und integrativ arbeiten, statten wir dafür besonders gut aus. In diesen Schulen soll es keine Klassen mit mehr als 25 Schülerinnen und Schülern geben. Die Grundschule ist schon weitgehend eine Schule für alle Kinder. Wir wollen die nordrhein-westfälischen Grundschulen in dieser erfolgreichen Arbeit unterstützen. Daher sollen Grundschulklassen nicht mehr als 23 Kinder haben.

Wir fördern Gesamtschulen

Auf dem Weg zu einem integrativen Schulsystem haben die Gesamtschulen ihren festen Platz. Wie die Grundschulen verwirklichen sie eine gezielte individuelle Leistungsförderung von Kindern mit unterschiedlichen Talenten. Als Grüne drücken wir unsere hohe Wertschätzung für die nachgewiesenen besonderen Leistungen der Gesamtschulen aus, denen es gelingt, insbesondere Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien und/oder mit Migrationshintergrund zu höheren Bildungsabschlüssen bis hin zum Abitur zu führen. Da immer mehr Eltern ihren Kindern Chancen offenhalten wollen oder das Turbo-Abitur am Gymnasium ablehnen, wird die Gesamtschule immer beliebter. Schon in den vergangenen Jahren hat fast ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler, die an Gesamtschulen angemeldet wurden, beim Übergang zur weiterführenden Schule dort keinen Platz erhalten. Die Landesregierung tritt das Elternwahlrecht mit Füßen. Deshalb dürfen der Neugründung von ganztägigen Gesamtschulen keine weiteren Steine in den Weg gelegt werden. Wir Grünen wollen die Erfahrungen aus der bisher geleisteten Schulentwicklung an Gesamtschulen für die Schule der Zukunft nutzen.

Wir ermöglichen Vielfalt

Schulen in freier Trägerschaft sind Bestandteil des öffentlich verantworteten Schulwesens. Sie können Impulsgeber für Schulentwicklung sein und müssen ihren Beitrag zu Chancengleichheit, sozialer Gerechtigkeit und Inklusion leisten. Die öffentliche Finanzierung orientiert sich am Einhalten des Sonderungs- und Diskriminierungsverbots. Es darf keine sozialen, kulturellen oder religiös motivierten Ausschlussgründe von den Bildungsangeboten geben. Wir fördern die Vielfalt von Schulen, die Bildung ganzheitlich begreifen und dazu beitragen, das Schulsystem sozial gerechter, inklusiver und damit leistungsstärker zu machen. Der Bildungsanspruch aller Kinder und Jugendlichen auf einen wissenschaftlich fundierten Unterricht muss eingelöst werden. Das gilt besonders im Hinblick auf die Evolutionstheorie, die in allen Schulen uneingeschränkt unterrichtet werden muss. Kreationismus hat im Biologieunterricht nichts zu suchen. Wir wollen die Versuchs- und Modellschulen in NRW endlich aus ihrem Inseldasein befreien und ihren wissenschaftlich fundierten und evaluierten Erfahrungsschatz für alle Schulen in NRW nutzbar machen.

All inclusive: Recht auf gemeinsamen Unterricht durchsetzen

Wenn wir als Grüne von einer Schule für alle Kinder sprechen, schließt dies Kinder und Jugendliche mit Behinderung ausdrücklich ein. Wir streben ein inklusives Schulsystem an, wie es die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung einfordert. Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung haben ein Recht auf inklusive Bildung. Zur Umsetzung wollen wir die Rahmenbedingungen deutlich verbessern. Wir wollen Schulen personell und räumlich so ausstatten, dass sie die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen umsetzen können. Schulen müssen generell barrierefrei ausgebaut sein. Wir wollen einen verbindlichen Inklusionsplan aufstellen. Dazu gehört: Inklusive Lerngruppen sollen maximal eine Klassengröße von 20 Kindern haben. Kinder mit Behinderung sollen selbstverständlich auch die Ganztagsangebote wahrnehmen können. Sonderpädagoginnen und -pädagogen haben ihren festen Platz in den Regelschulen, ebenso Integrationsassistenzen. Kompetenzzentren entwickeln sich zu Fortbildungs- und Beratungszentren für die Lehrkräfte.

Deutsch lernen reicht nicht: Kinder mit Migrationshintergrund fördern

Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte haben in unserem Bildungssystem schlechte Karten. Wir wollen das ändern. Es ist richtig, frühzeitig bei allen Kindern den Sprachstand zu erheben und schon vor dem Eintritt in die Schule Sprachfördermaßnahmen einzuleiten, wo dies notwendig ist. Die Sprachstandsfeststellung wollen wir vereinfachen und bei den Kindertagesstätten ansiedeln. Der Aspekt der Mehrsprachigkeit muss in das Erhebungsverfahren mit einbezogen werden. Die frühkindliche Sprachförderung wollen wir intensivieren und bis in die Grundschule und Sekundarstufe I fortsetzen. Es muss ein durchgängiges Sprachförderungkonzept von der Kita über alle Bildungsstufen hinweg entwickelt und umgesetzt werden. Es reicht nicht aus, dass Kinder mit Zuwanderungsgeschichte einfach nur Deutsch lernen. Wir wollen die Mehrsprachigkeit konsequent über alle Schulstufen hinweg fördern. Außerdem wollen wir junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte motivieren, sich für pädagogische Berufe und das Lehramtsstudium zu entscheiden, und mehr Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte einstellen.

Gendersensible Schule Mädchen und Jungen gezielt fördern

Mädchen und Jungen müssen ihre Potentiale unabhängig von ihrer Herkunft und auch unabhängig von ihrem Geschlecht entwickeln können. Unterrichtsinhalte und Unterrichtskultur müssen beide Geschlechter und ihre rollenspezifischen Voraussetzungen berücksichtigen. Das bedeutet für die Schulen gezielte Projekte zur Mädchen- und Jungenförderung sowie die Möglichkeit, gezielt in geschlechtshomogenen Gruppen zu lernen.

Qualifizierungsoffensive für guten Unterricht

Jeder Unterricht ist individuelle Förderung. Niemand soll unterfordert oder überfordert werden. Deshalb ist guter Unterricht geprägt von Methodenvielfalt, eigenverantwortlichen Lernprozessen der Schülerinnen und Schüler sowie einem neuen Rollenverständnis der Lehrkräfte. Sie sind die Expertinnen und Experten für das erfolgreiche Lernen. Ohne die Lehrerinnen und Lehrer wird der Weg zu der einen Schule für alle nicht gelingen können. Deshalb wollen wir die Lehrerinnen und Lehrer unterstützen und weiterqualifizieren. Fortbildungszeit ist Teil der Arbeitszeit. Arbeitsplätze in der Schule ermöglichen mehr Teamarbeit.

Fortbildung und Qualifizierung sind zentrale Bestandteile des Prozesses, mit dem wir unser Schulsystem umgestalten wollen. Mit einem Innovationsfonds wollen wir die Schulen, die sich auf den Weg zur neuen Schule machen, dabei gezielt unterstützen.

Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern reformieren

Das Lehrerausbildungsgesetz ist anachronistisch und muss in Bezug auf seine rückwärtsgewandte Schulformausrichtung (unter anderem Masterprofi l Hauptschule oder Realschule) novelliert werden. Besonders in der universitären Phase der Lehramtsausbildung ist früh ein stärkerer Praxisbezug in Form von praktischen Einheiten und semesterbegleitenden Praktika wichtig. Die Praxisphasen im Studium müssen konzeptionell miteinander verknüpft und mit einer kontinuierlichen Beratung der Studierenden verbunden werden, damit diese den Schulalltag erleben und sich vergewissern können, ob sie für das Berufsfeld Schule geeignet sind. Wir wollen dafür sorgen, dass die zweite Phase (Referendariat) nicht vernachlässigt wird. Sie darf nicht auf weniger als 18 Monate reduziert werden. Darüber hinaus sollen Lehramtsstudentinnen und -studenten interkulturelle, soziale und demokratische Kompetenzen erlernen.

Lehrkräfte an unseren Schulen müssen stärker als bisher auf kulturell und sozial heterogene Klassen vorbereitet sein und sollen künftig an Fortbildungen in interkultureller Kompetenz teilnehmen. Bei Lehramtsstudierenden und Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern muss der Umgang mit Multikulturalität verpflichtender Bestandteil der Ausbildung werden.

Innovativ fördern statt repressiv fordern

Die pädagogisch unsinnigen Klassenwiederholungen wollen wir überflüssig machen. Schülerinnen und Schüler, die ansonsten das Klassenziel nicht erreichen würden, sollen frühzeitig gefördert werden. Wir wollen eine neue Form der Leistungsbewertung und eine qualifizierte Feedback-Kultur entwickeln, die Schülerinnen und Schüler und auch die Eltern einbezieht. Die Leistungsbewertung in der Schule soll dazu dienen, den Schülerinnen und Schülern ihren Lernstand rückzumelden. Sie soll die Schülerinnen und Schüler weder unter Druck setzen noch abstrafen, sondern anspornen und herausfordern. Die üblichen Schulnoten leisten keine differenzierte Rückmeldung über die individuelle Leistungsentwicklung. Deshalb wollen wir alternative Formen wie individuelle Lernvereinbarungen und Lerntagebücher erproben und einführen. Diagnostizierte Teilleistungsstörungen wie Dyskalkulie und Legasthenie müssen im Rahmen eines umfassenden Nachteilausgleichs bis zum Abitur berücksichtigt werden.

Außerdem werden wir die Kopfnoten umgehend abschaffen. Es ist richtig, dass Schülerinnen und Schüler eine Rückmeldung über ihr Arbeits- und Sozialverhalten bekommen. Aber Verhalten und Charakter eines Menschen sind Teil seiner Persönlichkeit und nicht mit Ziffern zu benoten.

Mehr Verantwortung und Freiheit für Kommunen und Schulen

Wir wollen den Schulen größere pädagogische Freiheit und weitgehende Entscheidungskompetenzen in organisatorischen Fragen ermöglichen. Denn Schulen brauchen zwar klare, vom Land gesetzte Rahmenbedingungen und Zielsetzungen, aber gleichzeitig die Freiheit der Wege, diese Ziele zu erreichen. Wir wollen zudem die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen ausbauen. Nur sie kennen die lokalen und regionalen Besonderheiten und Herausforderungen. Deshalb wollen wir die Zuständigkeiten zwischen Land, Kommune und Schulen neu regeln. Das bedeutet Bürokratieabbau und eine Neuorganisation der Schulaufsicht. Das Land wird weiterhin die zentralen Ziele und Rahmenbedingungen festlegen und steuern. Die Kommunen sollen zukünftig unter anderem für die regionale Bildungsplanung zuständig sein. Das schließt ein, dass Kommunen selbst entscheiden, ob und wie sie unterschiedliche Bildungsgänge zusammenführen. Sie sollen entscheiden können, wie sie sozialer Segregation entgegenwirken, z. B. durch das Instrument der Grundschulbezirke. Denn auch heute noch gilt: "Kurze Wege für kurze Beine." Außerdem gehört die Hoheit für Schulbudgets und Schulgebäude dazu. Die Schulen sollen als selbstständige Schulen darüber entscheiden, wen sie einstellen, wie sie den Unterricht organisieren und gestalten, wie die Stundentafel und das Differenzierungsangebot aussehen, ob und auf welche Weise sie Lerngruppen bilden. Lernstandserhebungen und Prüfungen am Ende der Sekundarstufe I und beim Abitur sichern die Vergleichbarkeit. Analog zu den neu geordneten Zuständigkeiten (Land, Kommune, Schule) wollen wir die Mitwirkung und Beteiligung des schulischen Personals einschließlich der Vertretungen der Schwerbehinderten und der Gleichstellungsbeauftragten regeln.

Ganztags für alle: Gelingendes Lernen braucht Zeit

Ganztagsschulen sind für eine neue Kultur des Lernens besonders geeignet. Sie bieten mehr Zeit und Raum, um Kinder und Jugendliche individuell zu fördern und den Unterricht neu zu rhythmisieren. Wir wollen, dass die nordrhein-westfälischen Ganztagsschulen hohen Qualitätsanforderungen genügen. Deshalb hat es für uns höchste Priorität, die Ganztagsangebote auszubauen und zu verbessern.

Die offene Ganztagsschule hat sich ausgezeichnet etabliert. In vielen Kommunen sind mittlerweile sämtliche Grundschulen zu offenen Ganztagsschulen ausgebaut worden. Aber an vielen Schulen wird noch fein säuberlich zwischen dem Unterricht am Morgen und den außerunterrichtlichen Angeboten am Nachmittag getrennt. Wir wollen erreichen, dass sich die Schulen im Primarbereich zu gebundenen Ganztagsschulen entwickeln. Perspektivisch müssen die Elternbeiträge in der offenen Ganztagsschule abgeschafft werden. Denn die Ganztagsschule ist ein Bildungskonzept, das mehr als Betreuung ist. Es ist zudem nicht akzeptabel, dass Eltern von Grundschulkindern Beiträge in den Ganztagsschulen zahlen, während der Ganztag an den weiterführenden Schulen beitragsfrei ist.

Der Ganztagsausbau der weiterführenden Schulen bleibt weit hinter den Erwartungen der Eltern und den gesellschaftlichen Notwendigkeiten zurück. Wir wollen allen Schulen den Ausbau zur gebundenen Ganztagsschule ermöglichen. Dafür muss das Land nicht nur das Personal, sondern auch ein Investitionsprogramm entsprechend dem mittlerweile ausgelaufenen Bundesprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" auflegen. Wie im Primarbereich sollen bei der Gestaltung des Ganztags der weiterführenden Schulen Angebote der Kinder- und Jugendarbeit, Medien- und Kulturarbeit, Sportvereine und Sozialverbände einbezogen werden. Auch für die weiterführenden Schulen muss das Land einen qualitätssichernden Prozess erarbeiten und umsetzen, der erzieherische und sozialarbeiterische Kompetenz den sozialräumlichen Gegebenheiten entsprechend in den Schulalltag integriert. Inklusive Schule darf im offenen Ganztag nicht enden. Wir fordern Rechtsgrundlagen für die Bereitstellung von Integrationshelferinnen und -helfern.

Lernen macht hungrig: Schulessen für alle Kinder

An allen Schulen muss es eine ausgewogene, gesunde, die individuellen Essgewohnheiten berücksichtigende Mittagsmahlzeit geben. Einerseits gibt es dafür sozialpolitische Gründe, andererseits macht das die ständig wachsende Zahl von Ganztagsschulen erforderlich. Sie gehört zum ganztägigen Schulalltag schlicht dazu. Wir Grünen wollen das Recht auf eine warme Schulmahlzeit im Schulgesetz verankern. Diese Mahlzeit soll perspektivisch kostenlos sein. Das muss in einem ersten Schritt für Kinder aus einkommensschwachen Familien ohne Stigmatisierung erfolgen. Denn kein Kind darf aus finanziellen Gründen vom Schulmittagessen ausgeschlossen werden.

Schulzeitverkürzung: ohne Druck und Turbo-Abi

Die schwarz-gelbe Landesregierung hat die Schulzeitverkürzung an der Sekundarstufe I zwangsverordnet. Durch dieses sogenannte G8 sind die Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien einem massiven Druck ausgesetzt. Durch dieses Turbo-Abi ist es nahezu ausgeschlossen, dass Kinder und Jugendliche von anderen Schulformen auf das Gymnasium wechseln können. Die Durchlässigkeit nach oben zwischen den Schulformen ist also faktisch unmöglich geworden. Schon die jüngeren Schülerinnen und Schüler haben deutlich mehr Unterricht als früher. Schulangst und psychosomatische Erkrankungen nehmen zu - das darf nicht sein. Viele leiden unter dem Leistungsdruck.

Die weiterführenden Schulen müssen zu echten Ganztagsschulen ausgebaut werden. Beim Ganztag muss neben der Möglichkeit, die Hausaufgaben zu machen, Zeit und Raum für nicht auf den Unterricht bezogene Aktivitäten, für Hobbys, Freunde und auch für nicht verplante Freizeit sein. Wir wollen individuelle, flexible Lernzeiten ermöglichen, aber die Schulzeit nicht zwangsweise verkürzen.

Der zwölfjährige Weg zum Abitur kann der Regelfall sein, die Schulen sollen aber in Abstimmung mit den Eltern und der Kommune entscheiden können, ob sie die Schülerinnen und Schüler erst nach 13 Jahren zum Abitur führen. So, wie das Zentralabitur gestaltet ist, ist es zu einer Engführung der Lerninhalte gekommen. In den Schulen herrscht das "Lernen für den Test" vor. Um diesen negativen Trends entgegenzuwirken, wollen wir weniger zentrale Aufgaben in den Abiturprüfungen. Außerdem müssen die Fachlehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler aus einem größeren Pool kompetenzorientierter, gleichwertiger Aufgaben auswählen können.

Lernen braucht Bewegung

Wir Grünen stehen für eine gute und gesunde Schule und wollen Sport und Bewegung im Schulalltag verankern. Dazu gehört, das erfolgreiche Modellprojekt "Tägliche Sportstunde" flächendeckend auf Grundschulen in Nordrhein-Westfalen auszuweiten und ein neues Modellprojekt "Tägliche Sportstunde in der Sekundarstufe I" einzurichten. Wir wollen dafür sorgen, dass der im Stundenplan vorgesehene Sportunterricht auch tatsächlich an allen Schulen und in allen Stufen stattfindet. Sport soll flächendeckend als Abiturfach angeboten werden.

Religiös-weltanschaulicher Pluralität Rechnung tragen

Es wird in einer pluralistischen und multikulturellen Gesellschaft immer bedeutsamer, sich der eigenen Traditionen zu vergewissern und Kenntnis anderer zu erlangen. Daher wollen wir in allen Schulstufen ergänzend einen Unterricht anbieten, der Schülerinnen und Schülern Kenntnisse über Religionen, Weltanschauung und Ethik vermittelt. So bekommen sie Hilfen zu ihrer eigenen Lebensgestaltung und können eigene Maßstäbe entwickeln, um Religionen und Weltanschauungen zu beurteilen.

Das Recht von Schülerinnen und Schülern auf Erteilung von konfessionellem Religionsunterricht (nach Art. 7 Abs. 3 GG) bleibt davon unberührt. Wir wollen, dass islamischer Religionsunterricht mit Lehrkräften, die an deutschen Hochschulen ausgebildet worden sind, in deutscher Sprache und nach staatlich verantwortetem Curriculum in den Schulen angeboten wird. Darüber hinaus wollen wir einen breiten gesellschaftlichen Dialog über die Weiterentwicklung und Zukunft des Religionsunterrichts insgesamt mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften in NRW initiieren.

Es muss mehr dafür getan werden, die Anerkennung einer Vertretung als Religionsgemeinschaft mit transparenter Mitgliedschaft zu erreichen, die dann im Rahmen unserer Verfassung mit anderen Religionsgemeinschaften gleichgestellt ist. Zu einer solchen Gleichstellung gehört auch, dass kopftuchtragende Lehrerinnen in der Schule nicht diskriminiert werden dürfen. Bei der Aufnahme an den Grundschulen dürfen Kinder nicht aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit diskriminiert werden.

Gewalt an Schulen wirkungsvoll entgegentreten

Gesellschaft und Politik dürfen Gewalt an Schulen weder bagatellisieren noch tabuisieren. Wir Grünen wollen von Gewalt betroffene Schulen besonders unterstützen. Sie brauchen umgehend zusätzliche Stellen für Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie schulpsychologische Hilfe. Wir wollen auch dort eingreifen, wo das System Schule selbst potenziell Gewalt auslöst, wenn es Schülerinnen und Schüler beschämt und demotiviert. Deshalb müssen Klassenwiederholungen, Notendruck und Abschulungen ein Ende haben. Damit Streitschlichtungsprogramme wieder einen größeren Stellenwert erhalten können, muss das Land sie wieder fördern.

Außer zur Gewaltprävention sollen unsere Schulen auch zur Erziehung zum Frieden beitragen. Dazu muss eine ausgewogene Information und Diskussion über verschiedene Ansätze der Friedenssicherung und Konfliktbewältigung gewährleistet sein. Bundeswehr und Friedensorganisationen müssen gleichberechtigt ihre Konzepte und Handlungsmöglichkeiten vorstellen können.

Schule und Kommune besser verzahnen

Die Schulen der Zukunft sind Bestandteil des dörflichen und städtischen Lebens. Deshalb brauchen wir ein gutes Miteinander von Kommune und Schule und die Schule im Stadtteil braucht eine starke Nachbarschaft. Die Schule kann und soll Aufgaben für ihre Umgebung übernehmen, die Umgebung Verantwortung für die Schule und in der Schule. Regionale Bildungslandschaften nehmen Bildung als Ganzes in den Blick und vernetzen Kitas, verschiedene Schulformen, Schulträger und weitere Akteure. Gestärkt werden muss die Kooperation von Kindertagesstätte, Familienzentrum und Grundschule im Stadtteil. Das Zusammenführen von Schulentwicklungs-, Jugendhilfe- und Sozialplanung liefert die Grundlage für eine gezielte Präventionsarbeit und den Inklusionsprozess. Schule und Kultur sind bereits vielfältig miteinander verbunden. Dennoch kann das Land die Verzahnung der beiden Bereiche stärker fördern. Musik und Theaterspiel sind Bestandteile eines lebendigen Unterrichts. Theater-, Museums- und Konzertbesuche gehören wie Sportangebote zu einem umfassenden Bildungsangebot. Wir setzen uns dafür ein, dass Künstlerinnen und Künstler, die sich kreativ in Schulen einbringen, besser bezahlt werden. Diese Angebote können die kulturellen Schulfächer bereichern und ergänzen, aber nicht ersetzen.

In die Zukunft investieren

Bildungsinvestitionen sind Zukunftsinvestitionen. In den kommenden Jahren wollen wir Grünen alles versuchen, um die Ausgaben des Landes im Bildungsbereich auf ein international vergleichbares Niveau zu heben. Hierzu setzen wir unter anderem darauf, den Soli Ost in einen Bildungssoli umzuwandeln. Kürzungen beim Personal sind für uns indiskutabel. Wir wollen früh investieren, statt später teuer zu reparieren. Die Ausgangslage für die pädagogische Arbeit ist bei den einzelnen Schulen sehr unterschiedlich, deshalb wollen wir Ungleiches ungleich behandeln und die auf der Grundlage eines Sozialindex vergebenen Stellen vervierfachen. Schulen in sozialen Brennpunkten müssen personell und finanziell massiv unterstützt werden.

Um die Schullandschaft qualitativ zu entwickeln, wollen wir dringend Beratungs- und Unterstützungssysteme auf- und ausbauen. Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sollen an allen Schulformen und Schulstufen zusätzlich zu den Lehrerinnen und Lehrern die Regel sein. Die Anzahl der Schulpsychologinnen und Schulpsychologen wollen wir in Zusammenarbeit mit den Kommunen in einem ersten Schritt verdoppeln. Alle Schulen sollen ein Budget zur eigenen Bewirtschaftung erhalten, mit dem sie Handwerkerinnen und Handwerker, Künstlerinnen und Künstler, Gesundheitsberaterinnen und Gesundheitsberater - je nach Bedürfnis der Schule vor Ort - beschäftigen können. Die Kommune soll die Kooperation insbesondere kleiner Schulen steuern und unterstützen. Kinder aus weniger privilegierten Familien kommen häufig ohne Bücher, Zirkel, Malkästen oder andere Materialien in die Schule. Die Lernmittelfreiheit für Familien, die Arbeitslosengeld II oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, muss gewährleistet sein. Das Land muss die dafür notwendigen Mittel bereitstellen.

Zeit für Beratung, Teamarbeit und Fortbildung

Die Kollegien in den Schulen brauchen Zeit für gemeinsame Beratung. Wöchentliche Klassenteamtreffen mit Sozialpädagoginnen und -pädagogen und Schulpsychologinnen und -psychologen sollen integraler Bestandteil des schulischen Lebens werden. Wir wollen dafür die Zeit zur Verfügung stellen. Die Aufgaben der Schulleitungen - insbesondere in den Grundschulen - sind stark angewachsen. Deshalb wollen wir die Leitungszeit ausweiten. Angesichts des Ganztagsausbaus und der vielfältigen Herausforderungen im schulischen Alltag wollen wir die Präsenzzeiten der Lehrkräfte in den Schulen verbindlich regeln und in ein neues Jahresarbeitszeitmodell einbetten. Die Arbeitszeit der Lehrkräfte darf nicht länger allein auf den Pflichtstunden basieren, sondern muss andere an der Schule geleistete Arbeiten - wie Beratung, Schulentwicklung, Fortbildung, Teamzeiten und Korrekturzeiten - angemessen mit einbeziehen. Den Schulleitungen muss in allen Schulen Schulleitungszeit zur Verfügung gestellt werden. Zusätzliche Verwaltungskräfte sollen Schulleitungen und Lehrkräfte entlasten.

Gerechtere Besoldung Engagement und Leistung belohnen

Der Beamtenstatus ist aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß und soll - abgestimmt mit den anderen Bundesländern - abgeschafft werden. Es müssen Wege entwickelt werden, um die Benachteiligung angestellter Lehrkräfte abzubauen. Die derzeitige Besoldungsstruktur im Schulbereich schafft Lehrkräfte erster, zweiter und dritter Klasse und verdeutlicht zudem die unzeitgemäße Geringschätzung der Arbeit mit jüngeren Kindern. Nicht länger soll sich die Besoldung danach richten, an welcher Schulform oder in welcher Schulstufe eine Lehrkraft arbeitet, sondern das Engagement berücksichtigen, das die Lehrkraft für die Schülerinnen und Schüler erbringt. Wir wollen deshalb eine attraktive Besoldungsstruktur für alle Lehrerinnen und Lehrer entwickeln. Wer mehr Aufgaben übernimmt, soll entsprechende Zuschläge erhalten können.

Wir wollen

  • längeres gemeinsames Lernen in der Schule der Zukunft mit den Kommunen auf den Weg bringen: vielfältig, leistungsstark, gerecht;
  • den Ganztag für alle Schulen und Schulformen qualitativ ausbauen;
  • das Recht der Kinder und Jugendlichen auf ein inklusives Bildungssystem, wie es die UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderungen beschreibt, mit einem verbindlichen Inklusionsplan gerade im Schulbereich umsetzen;
  • eine neue Schul- und Lernkultur in einer demokratischen Schule entwickeln.

3. Qualifizierte Ausbildung für alle

Alle Jugendlichen brauchen eine Ausbildung. Wir wollen keine frustrierenden Warteschleifen. Deshalb fordern wir erstens eine Ausbildungsplatzabgabe und zweitens eine gleichwertige zweite Säule der Berufsausbildung, die vom Staat verantwortet wird.

Recht auf Ausbildung

Gerade in der Krise haben Schulabgängerinnen und -abgänger große Probleme, den Einstieg in Ausbildung und Berufstätigkeit zu finden. Wir sehen die Gesellschaft insgesamt, die privaten und die öffentlichen Unternehmen in der Pflicht, den jungen Menschen echte Perspektiven zu eröffnen. Auch aus Sicht der Unternehmen ist es kurzsichtig, heute nicht in die Ausbildung der Fachkräfte der kommenden Jahre zu investieren.

Doch noch immer finden viel zu viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz. Landesweit kommen zwei Bewerberinnen oder Bewerber auf einen Platz. Das ist nicht hinnehmbar. Unser Ziel ist eindeutig: Wir wollen für alle eine anerkannte Berufsausbildung. Deshalb brauchen wir ein Recht auf Ausbildung.

Wer keine Ausbildung absolviert, hat ein vielfach höheres Risiko, arbeitslos zu werden und dies auch dauerhaft zu bleiben. Wir Grünen wollen die duale Ausbildung stärken und über eine Ausbildungsumlage für zusätzliche Ausbildungsplätze sorgen. Diese Umlage soll bei Betrieben erhoben werden, die mehr als zehn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter beschäftigen. Somit werden kleine Betriebe und Dienstleister nicht über ihre Möglichkeiten belastet und es wird dennoch sichergestellt, dass alle Ausbildungssuchenden einen Ausbildungsplatz erhalten, der ihren Neigungen und Fähigkeiten entspricht. Gleichzeitig wollen wir damit das Engagement der ausbildungsbereiten Unternehmen belohnen.

Um den Ausbildungsmarkt von der konjunkturellen Entwicklung zu entkoppeln, wollen wir verstärkt außerbetriebliche Ausbildungsstätten fördern. Hier können Ausbildungsbausteine absolviert werden, auf denen die spätere betriebliche Ausbildung aufbaut. Außerbetriebliche Ausbildungsstätten dürfen jedoch nicht zur Regel werden. Das Ziel der Integration in ein betriebliches Ausbildungsverhältnis muss immer im Vordergrund stehen.

Wir benötigen ein Gesamtkonzept von beruflicher Ausbildung, das die duale Ausbildung stärkt, ihre Defizite behebt und die Bildungswege untereinander durchlässig macht. Gerade für Altbewerberinnen und Altbewerber sind bessere Übergänge in die Ausbildung nötig. Sie brauchen gezielte Beratung, Angebote und Begleitung, damit sie ihre Potentiale entfalten und bei Misserfolgen nicht resignieren.

Jugendliche, die größere Lernschwierigkeiten haben, sollen die Ausbildungszeit um bis zu zwei Jahre verlängern können. Dem ausbildenden Betrieb sollen die zusätzlich entstehenden Kosten ersetzt werden. Ausbildungsbegleitende Hilfen sollen dazu beitragen, dass der Berufsabschluss auch erreicht werden kann.

Wir werden uns auch um die Schwierigkeiten kümmern, die für den Ausbildungsmarkt aus dem doppelten Abiturjahrgang 2012/2013 entstehen. Hier müssen die Partner im Ausbildungskonsens verbindliche Absprachen treffen.

Auch der öffentliche Dienst und öffentliche Unternehmen tragen eine große Verantwortung für die Schaffung von Ausbildungsplätzen. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass in diesen Bereichen mehr und ggf. über Bedarf ausgebildet wird. Damit Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen bessere Chancen haben, fordern wir das Land, die Kommunen und öffentlichen Betriebe auf, durch geeignete Maßnahmen, z. B. neutralisierte Bewerbungsverfahren, Jugendliche mit Zuwanderungshintergrund besonders zu einer Bewerbung zu ermutigen.

Zweite Säule der Berufsbildung

Wir brauchen zudem auch weiterhin eine gleichermaßen anerkannte und hochwertige zweite Säule der Berufsbildung, die vom Staat verantwortet wird.

  • Mit berufsvorbereitenden Maßnahmen und Ausbildungen außerhalb des dualen Systems dürfen Schülerinnen und Schüler nicht in frustrierende Warteschleifen rutschen. Deshalb wollen wir die Möglichkeiten des novellierten Berufsbildungsgesetzes ausschöpfen, damit alle Jugendlichen ihre vollzeitschulischen Ausbildungen mit einer Kammerprüfung abschließen können;
  • Einzelleistungen in der dualen Ausbildung zertifizieren und in der Berufsausbildung anrechenbar machen, um größere Durchlässigkeit auch in der beruflichen Bildung zu ermöglichen;
  • Betriebe ohne Ausbildungstradition und kleine Unternehmen durch Ausbildungsverbünde unterstützen und durch betriebliche Ausbildungsstätten ergänzen.
  • Berufliche Bildung und allgemeine Bildung sind für uns Grüne gleichwertig. An den Berufskollegs sollen daher auch alle schulischen Abschlüsse erworben werden können.

Angesichts der zunehmenden Aufgaben und Herausforderungen an den Berufskollegs ist der Einsatz von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen an allen Schulen unabdingbar. Die zusätzlichen Stellen wollen wir nicht auf die Lehrerstellen anrechnen. Die Berufskollegs spielen als Schnittstelle zwischen Schule und Ausbildung im Rahmen der Entwicklung regionaler Bildungslandschaften eine besondere Rolle. Deshalb wollen wir die Berufskollegs nicht nur mit den Schulen der Sekundarstufe I und der Jugendhilfe vernetzen, sondern mit allen Akteuren im Bereich Ausbildung und Unternehmen.

Gerechte Vergütung für Frauen und Männer

Vorrangig von Frauen ausgewählte Ausbildungsberufe werden durchschnittlich um 22 Prozent schlechter vergütet als männlich dominierte Berufe. Das ist ein Skandal, dem wir politisch entgegenwirken müssen. Wir wollen durch individuelle Berufsberatung geschlechtsspezifisches Berufswahlverhalten überwinden. Außerdem fordern wir eine einheitliche, branchenübergreifende Mindestvergütung, die das Auskommen sichert. Auszubildende leisten wertvolle Arbeit in ihren Betrieben, die entsprechend honoriert werden muss. Außerdem wird so verhindert, dass Auszubildende als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.

Wir wollen

  • ein Recht auf Ausbildung verankern;
  • über eine Ausbildungsumlage für mehr Ausbildungsplätze sorgen;
  • die vom Staat verantwortete zweite Säule der beruflichen Bildung stärken;
  • geschlechterspezifisches Berufswahlverhalten überwinden;
  • eine einheitliche, branchenübergreifende Mindestvergütung.

4. Lebensbegleitendes Lernen durch gute Weiterbildung

Damit die Fort- und Weiterbildung wieder den Stellenwert bekommt, den sie braucht, wollen wir die Kürzungen bei den kommunalen und freien Weiterbildungseinrichtungen zurücknehmen.

Lebensbegleitendes Lernen wird immer wichtiger. Die Herausforderungen der Wissensgesellschaft und des Fachkräftemangels können wir nur meistern, wenn Menschen in allen Lebensphasen dabei unterstützt werden, sich weiterzubilden. Vor allem unterrepräsentierte Gruppen wie ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Geringqualifizierte, Frauen nach der Familienphase und Menschen mit Migrationshintergrund brauchen Unterstützung, damit sie stärker als bisher an Weiterbildungsangeboten teilhaben können. Deshalb wollen wir Grünen die Weiterbildung wesentlich stärker fördern und ihren Stellenwert erhöhen. Für uns sind Weiterbildungseinrichtungen Lernorte und soziale Treffpunkte: Sie qualifizieren nicht nur für die vielfältigen Anforderungen im Berufsleben, in Erziehungsfragen, im Bereich der Integration, der Geschlechtergerechtigkeit, im Umgang mit neuen Medien, sondern fördern auch die Selbststeuerungs- und Problemlösungsfähigkeit, Kritik- und Selbstreflexionsfähigkeit, Verantwortlichkeit und Bereitschaft zur politischen Einmischung und Gestaltung. Ganz besonders müssen im Bereich der beruflichen Fortbildung Motivation und Zugangsmöglichkeiten bisher unterrepräsentierter Gruppen wie Ältere, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund deutlich verbessert werden.

Deshalb ist Weiterbildung unentbehrlich für Demokratie und Zivilgesellschaft. Sie ist eine öffentliche Aufgabe, deshalb muss das Land sie fördern. Das Weiterbildungsgesetz ist eine wesentliche Grundlage für unser flächendeckendes Netz an kommunalen und freien Weiterbildungseinrichtungen und muss erhalten bleiben. In den vergangenen Jahren haben die Einrichtungen trotz erheblicher Kürzungen vielfältige neue Aufgaben in Angriff genommen, etwa beim Übergang von Schule zu Beruf und in der Integrationsarbeit.

Wir wollen die Kürzungen bei den kommunalen und freien Weiterbildungseinrichtungen zurücknehmen, damit

  • die Einrichtungen ihre alten wie neuen Aufgaben wahrnehmen können;
  • die Trägerpluralität und Unabhängigkeit der Einrichtungen erhalten bleibt;
  • die Teilnahmebeiträge in einem Umfang sozial gestaffelt bleiben, dass auch Menschen mit geringem Einkommen an Weiterbildungsangeboten teilnehmen können.

Wir wollen die politische Bildung absichern und zusätzliche Mittel für neue Aufgaben in der Entwicklung, Beratung, Organisationsentwicklung und Qualitätssicherung der Weiterbildung bereitstellen. Die Freistellung für den Bildungsurlaub gehört auch zukünftig zu einer selbstverantworteten Weiterbildung dazu.

Bildungsteilhabe aller Generationen

Unsere Gesellschaft wird auch in Zukunft nicht auf die Erfahrungen und das Wissen älterer Menschen verzichten können. Daher fordern wir die Unterstützung von Initiativen, die das gemeinsame Lernen von Jung und Alt unterstützen. Darüber hinaus treten wir für ein Lernen bis ins hohe Alter ein und fordern unter anderem die

  • Stärkung der Alltagskompetenz, Eigenaktivität und selbstständigen Lebensführung durch geeignete Bildungsangebote für ältere und alte Menschen;
  • Förderung der Medienkompetenz insbesondere in der Nutzung der neuen Medien
  • Unterstützung des Studiums und außeruniversitärer Bildung im sogenannten dritten Lebensalter.

Wir wollen

  • Kürzungen bei den kommunalen und freien Weiterbildungseinrichtungen zurücknehmen;
  • die politische Bildung absichern und erweitern;
  • Weiterbildung weiterhin vom Land aus fördern, weil sie eine öffentliche Aufgabe ist.

5. Demokratische Hochschulen: Keimzellen für ein innovatives Land

In den letzten fünf Jahren hat die schwarz-gelbe Landesregierung die Hochschulen unter dem Deckmantel einer sogenannten Hochschulfreiheit von ihren eigentlichen Aufgaben entfremdet. Wir wollen die Freiheit von Forschung und Lehre an unseren Hochschulen wieder herstellen und diese wieder zu Orten des Diskurses, zur Keimzelle für gesellschaftliche, soziale und technische Innovationen machen. Deshalb wollen wir die Studiengebühren abschaffen, den Bologna-Prozess korrigieren sowie Demokratie und Mitbestimmung an unseren Hochschulen herstellen. Darüber hinaus werden wir sicherstellen, dass an den Hochschulen in NRW genügend gut ausgestattete Studienplätze für alle studierwilligen jungen Menschen zur Verfügung stehen - auch für den doppelten Abiturjahrgang 2013.

Studiengebühren, Entdemokratisierung und wachsende Orientierung an den Interessen und Anforderungen der Wirtschaft: Seit der Regierungsübernahme durch CDU und FDP steht die Hochschulpolitik in NRW unter dem Diktat einer auf bloßen Profi t hin orientierten "Privat-vor-Staat"-Politik. Unter dem Deckmantel einer angeblichen Hochschulfreiheit hat sich das Land in den letzten fünf Jahren aus der inhaltlichen und finanziellen Verantwortung für die Hochschulen zurückgezogen.

Wir Grünen wollen diesen Trend umkehren und wieder Verantwortung übernehmen: für die bauliche, sachliche und personelle Ausstattung der Hochschulen, für zusätzliche Studienplätze und für die notwendige Kurskorrektur im Rahmen der Umstellung auf Bachelor und Master. Wir Grünen wollen eine soziale Öffnung unserer Hochschulen und deutlich mehr jungen Menschen ein Studium ermöglichen. Der Zugang zur Hochschule ist eine zentrale Gerechtigkeitsfrage. Anstatt die Türen zu Universitäten und Fachhochschulen weit aufzumachen, bleiben sie vor allem für viele Nicht-Akademikerkinder verschlossen. Aufstieg durch Bildung darf nicht länger blockiert werden, sondern muss unabhängig von Herkunft und Geldbeutel der Eltern ermöglicht werden. Dafür braucht es bessere Strukturen, höhere Qualität und mehr Geld für unsere Hochschulen.

Für die Freiheit von Forschung und Lehre

Die Landesregierung hat mit ihrem "Hochschulunfreiheitsgesetz" Demokratie und Mitbestimmung an den Hochschulen in NRW abgeschafft. Nicht mehr die Studierenden, Lehrenden und anderen Beschäftigten bestimmen die Geschicke der Hochschulen, sondern ein extern dominierter Hochschulrat. Die Folge ist die zunehmende Orientierung der Hochschulen an marktwirtschaftlichen Strukturen und einem ideologisch gefärbten Exzellenzbegriff sowie die Abschottung durch Zulassungsbeschränkungen.

Wir Grünen wollen diesen Paradigmenwechsel umkehren und an unseren Hochschulen demokratische Verhältnisse herstellen. Alle wesentlichen Entscheidungen soll ein Senat treffen, in dem alle Gruppen der Hochschule gleichberechtigt vertreten sind. Auch auf allen anderen Ebenen der universitären Selbstverwaltung sowie im Verhältnis der Ebenen untereinander müssen die Mitwirkungs- und Entscheidungsstrukturen neu geordnet werden, um ein Höchstmaß an Transparenz und Beteiligung aller Gruppen zu ermöglichen. Die Hochschulräte wollen wir abschaffen. Außerdem werden wir

  • die Rolle der Hochschulen als Träger öffentlicher Verantwortung und Orte des gesellschaftlichen Diskurses und der Innovation neu definieren;
  • die Mitbestimmungsrechte und -möglichkeiten von Personalräten und Gleichstellungsbeauftragten stärken;
  • sicherstellen, dass Landtag und Landesregierung ihren Teil der Verantwortung für die Weiterentwicklung unserer Hochschulen wahrnehmen.

An den Hochschulen muss wieder die Freiheit der Wissenschaft Vorrang haben vor der sogenannten "Freiheit" des Marktes, damit beispielsweise die Grundlagenforschung nicht vernachlässigt wird und kleine Fächer ("Orchideenfächer") weiter Platz in der Hochschullandschaft haben.

Weg mit den Studiengebühren

Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, deshalb sind wir für die Abschaffung aller Bildungsgebühren - von der Kita bis zur Hochschule. Es darf nicht sein, dass weiter jedes Jahr tausende von jungen Menschen durch die Studiengebühren von der Aufnahme eines Studiums abgeschreckt werden - sowohl aus Gründen der Chancengerechtigkeit als auch mit Blick auf den wachsenden Fachkräftemangel. Denn nur wenn es uns gelingt, so viele jungen Menschen wie möglich aus allen Schichten der Bevölkerung an unsere Hochschulen zu bekommen, ist unser Land, unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft fi t für die Zukunft. Im Studium muss es Zeit und Raum für die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft, für den Blick über den Tellerrand des eigenen Faches und nicht zuletzt für politisches Engagement geben. Wir werden deshalb nicht nur Studiengebühren abschaffen, sondern gleichzeitig die Hochschulen besser ausstatten. Um mehr junge Menschen für ein Studium zu gewinnen, wollen wir die staatliche Studienfinanzierung (BAföG) durch das Grüne Zwei-Säulen-Modell deutlich ausweiten. Daneben wollen wir mehr staatlich verantwortete Stipendien anbieten, um vor allem unterrepräsentierte Gruppen besser zu fördern. Dadurch wird die Doppelbelastung durch Studium und Erwerbstätigkeit reduziert, die bei vielen Studierenden zu Studienzeitverlängerung oder gar Studienabbruch führt. Das Stipendienprogramm à la Pinkwart und Schavan lehnen wir dagegen ab.

Mehr Studienplätze und besser ausgestattete Hochschulen

Wir Grünen haben gemeinsam mit anderen frühzeitig auf die Herausforderungen hingewiesen, die mit dem doppelten Abiturjahrgang 2013 verbunden sind. Aber die Landesregierung hat auch hier versagt: Nach wie vor stehen in den nächsten Jahren nicht genügend Studien- und Ausbildungsplätze für die wachsende Zahl an Schulabgängerinnen und Schulabgängern zur Verfügung.

Wir brauchen daher dringend ein umfassendes Investitions- und Maßnahmenprogramm. Hierzu kann auch der von uns vorgeschlagene Bildungssoli einen Beitrag leisten. Damit wollen wir erstens die sachlichen, baulichen und personellen Voraussetzungen für 50.000 zusätzliche qualitativ hochwertige Studienplätze schaffen sowohl für das Bachelor- als auch das Masterstudium. Alle, die die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium haben, sollen auch studieren können bis zum Masterabschluss. Damit machen wir den Numerus clausus überflüssig. Zweitens wollen wir dringend notwendige organisatorische Verbesserungen vornehmen, beispielsweise durch ein transparentes, bundeseinheitliches Zulassungsverfahren, das das herrschende Chaos bei der Hochschulzulassung beendet und Chancengerechtigkeit bei der Studienplatzvergabe herstellt. In diesem Zusammenhang wollen wir auch die Zugangsmöglichkeiten für qualifizierte Menschen ohne Abitur weiter öffnen.

Familienfreundliche Hochschulen

Die schwarz-gelbe Hochschulpolitik in NRW hat sich in den letzten Jahren viel zu sehr an dem Berufsbild des Typs "männlicher Wissenschaftler" orientiert, jemand, der sich ausschließlich und "einzelkämpferisch" auf seine Wissenschaft konzentriert. Ein solch veraltetes Berufsbild schreckt insbesondere Frauen - aber auch viele junge Männer - ab, die eine akademische Laufbahn anstreben. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen in NRW familienfreundlicher gestaltet werden: sowohl mit einem flächendeckenden Netz qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungseinrichtungen an den Hochschulen in der Verantwortung des Landes als auch durch eine entsprechende Organisation von Studium, Praktika, Prüfungen usw. sowie durch kostenlose Beratungs- und Unterstützungsangebote für studierende Eltern.

Wissenschaftlerinnen an die Spitze bringen

Bis 2014 wird über ein Drittel der Professuren an Hochschulen in NRW neu besetzt. Das bietet in den kommenden Jahren die Chance, den Anteil von Frauen an Entscheidungs- und Führungspositionen deutlich zu erhöhen. Derzeit sind nur 14,7 Prozent der Professoren weiblich, es gibt nur 6,7 Prozent Rektorinnen und 6,5 Prozent Dekaninnen. Zur gezielten Förderung von Frauen wollen wir deshalb die von der Landesregierung gestrichenen Förderprogramme wieder aufnehmen und weiterentwickeln. Wir werden ein umfangreiches Programm zur Förderung von Frauenkarrieren an Hochschulen einschließlich einer gesetzlichen Quote für Stellenbesetzungen auf den Weg bringen. Die finanzielle Förderung von Hochschulen muss stärker an das Ziel gebunden sein, den Frauenanteil in Führungspositionen deutlich zu erhöhen. Die Vorgabe des Landesgleichstellungsgesetzes, alle Gremien zur Hälfte mit Frauen zu besetzen, muss endlich konsequent umgesetzt werden.

Wir Grünen werden die Rahmenbedingungen einer Berufstätigkeit in Wissenschaft und Forschung so gestalten, dass eine verlässliche Karriereplanung für Nachwuchswissenschaftlerinnen, aber auch für Nachwuchswissenschaftler möglich ist. Dazu gehört für uns auch eine gerechte Bezahlung von studentischen Hilfskräften. Deshalb fordern wir die Einführung eines Wissenschaftstarifvertrages, der für alle von der Hochschulleitung bis zur studentischen Hilfskraft gilt.

Bologna-Prozess korrigieren, Qualität der Lehre steigern

Mit dem Bologna-Prozess wurde die tiefgreifendste Hochschulreform der vergangenen Jahrzehnte auf den Weg gebracht. Gerade NRW ist meilen- weit davon entfernt, die Vision eines europäischen und grenzenlosen Hochschulraums zu verwirklichen. Wesentliche Ziele wie mehr Mobilität und Anerkennung, weniger Studienabbrecher und bessere Betreuung wurden bei der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge bisher verfehlt.

Die vielerorts mangelhafte Umsetzung der Bologna-Reform ist auch Folge der verantwortungslosen Hochschulpolitik der Landesregierung. Die Hochschulen wurden strukturell und finanziell viel zu wenig unterstützt. Verdichtung und Überreglementierung sind die falschen Rezepte. Wir Grünen wollen ein selbstbestimmtes Studium, keine Verschulung der Hochschulen. Daher brauchen wir einen radikalen Kurswechsel und eine Reform der Reform, die die Studierenden endlich in den Mittelpunkt stellt.

Die Bologna-Korrektur muss die neuen Studiengänge entfrachten und tatsächlich studierbar machen. Dafür müssen die Stofffülle, die Zahl der Prüfungen und die Arbeitsbelastung (workload) spürbar reduziert werden. Durch neue Zeitfenster und mehr Flexibilität bei der Dauer von Bachelorstudiengängen wollen wir Studierenden ermöglichen, Auslandssemester, Praktika und Engagement in ihr Studium zu integrieren. Dem Querdenken, der Kreativität, Interdisziplinarität und Problemlösungskompetenz wollen wir wieder mehr Platz im Studium geben.

Daneben sollen die Hochschulen die Möglichkeiten zum Teilzeitstudium spürbar ausbauen. Wir wollen, dass die soziale Dimension des Bologna-Prozesses endlich ernst genommen wird. Dafür braucht es unter anderem eine starke soziale Infrastruktur (unter anderem Mensen, Wohnheime, Beratungsangebote, Kinderbetreuung) auf dem Campus.

Wir wollen eine "Qualitätsoffensive für gute Lehre". Innovative Lehrund Lernformen an den Hochschulen müssen gestärkt und honoriert werden. Die Lehre muss auf die Studierenden zentriert sein. Wir wollen insbesondere die Position der Lehre und Didaktik im Vergleich zur Forschung stärken. Hochschuldidaktische Zentren und Netzwerke wollen wir ausbauen und die Einrichtung von Professuren für Hochschuldidaktik befördern. Außerdem werden wir entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit Qualifikationen in der Lehre stärker als bisher bei Berufungen und der Personalentwicklung in den Hochschulen berücksichtigt werden. Alle, die an einer Hochschule lehren wollen, müssen auch entsprechende Qualifikationen erwerben und nachweisen!

Für mehr Internationalität der Hochschulen

Mit einer stärkeren Europäisierung und Internationalisierung von Forschung, Wissenschaft und Lehre wollen wir Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern neue Chancen und Perspektiven eröffnen. Unser Ziel ist mehr Mobilität und Weltoffenheit, ein engerer interkultureller Austausch und mehr wissenschaftliche Kooperation in der europäischen und internationalen Hochschullandschaft.

Internationalisierung zeigt sich vor allem beim ständigen Austausch mit ausländischen Hochschulen. Wir wollen mehr Studierende für einen Auslandsaufenthalt gewinnen und gleichzeitig dafür werben, dass mehr ausländische Studierende, Lehrende und Forschende nach Nordrhein-Westfalen kommen. Austauschprogramme und Partnerschaften zwischen Hochschulen sind dabei von großer Bedeutung.

Bildung ist außerdem ein wichtiger Teil von guter Entwicklungszusammenarbeit. Ein Land wie Nordrhein-Westfalen hat die Verantwortung, Menschen aus ärmeren Regionen den Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen. Dazu gehören Stipendien für ausländische Studierende aus Entwicklungsländern sowie die Möglichkeit für Zugewanderte aus diesen Regionen, in Deutschland das Abitur nachzuholen. Die Finanzierung muss gewährleistet werden.

Für verantwortliche Forschung und zukunftsfähige Innovationen

Nachhaltige Entwicklung braucht gute Forschung. Deswegen wollen wir die Forschung zu Energie- und Ressourceneffizienz, Kraft-Wärme-Kopplung, Biodiversität und Ökologie sowie Klima- und Nachhaltigkeitsforschung aktiv unterstützen, z. B. indem wir eine virtuelle Ressourcen-Hochschule aufbauen.

Wir Grünen stehen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft im Sinne des Green New Deals für eine nachhaltige Forschung im Automobilbereich, etwa bei der Entwicklung neuer energiesparender Motoren sowie von Hybrid- und Elektroautos.

Gleichzeitig haben wir auch einen hohen Anspruch an die ethische Verantwortung von Forschung und setzen uns deshalb aktiv für Technikfolgenabschätzung ein. Wir lehnen die Forschung an embryonalen Stammzellen und das therapeutische Klonen ab und wollen stattdessen unbedenkliche Alternativen wie die Forschung im Bereich der adulten Stammzellen und der Reprogrammierung von Zellen fördern. Grausame Tierversuche sind auch unter dem Deckmantel der Wissenschaftsfreiheit nicht hinzunehmen. Die Wissenschaftsfreiheit endet dort, wo Rechte anderer verletzt werden: gleichgültig ob Mensch oder Tier.

Die Atomkraft ist keine Zukunftstechnologie. Entsprechend ist auch die Forschung an neuen Reaktoren weder nachhaltig noch innovativ und wird daher von uns abgelehnt. Auch Militär- und Rüstungsforschung lehnen wir ab. Entsprechende Forschungseinrichtungen werden wir nicht unterstützen. Stattdessen wollen wir die Friedens- und Konfliktforschung an den Universitäten in NRW stärken. Nachhaltige Entwicklung ist ohne starke Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften undenkbar. Für zentrale Herausforderungen wie gesellschaftliche Heterogenität, demografische Entwicklung, Klimawandel, Globalisierung und Konfliktprävention braucht es geisteswissenschaftliche Forschung und Lösungskompetenz. Hochschulen müssen wieder eine Schlüsselrolle im gesellschaftlichen Diskurs einnehmen und Orte kritischer Reflexion sein.

Wir wollen

  • die Ausstattung der Hochschulen verbessern und 50.000 zusätzliche Studienplätze schaffen;
  • Studiengebühren und das "Hochschulfreiheitsgesetz" abschaffen;
  • die Bologna-Reformen korrigieren und den Master für alle ermöglichen.