Sven Lehmann

NichtraucherInnenschutz

Schluss mit dicker Luft in Kneipen

"Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersatmenden“, sagt unser Landesvorsitzender Sven Lehmann, wenn er über den NichtraucherInnenschutz spricht.

Und deshalb wollen wir Grüne für Nordrhein-Westfalen einen konsequenten Nichtraucherschutz à la Bayern: alle Ausnahmen in der Gastronomie sollen abgeschafft werden, darunter fallen z. B. Festzelte oder auch Raucherclubs, zu denen sich sogar Eisdielen gemacht haben, um das Rauchverbot zu umgehen.

Leitantrag für Landesparteirat am 8. Oktober

Grünes Ziel ist eine einheitliche Regelung für alle gastronomischen Betriebe, ein generelles Rauchverbot zum Schutz vorm Passivrauchen, vor allem für Kinder und Jugendliche sowie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. So sieht es der Leitantrag für den Landesparteirat (kleiner Parteitag) am 8. Oktober vor, den der Landesvorstand beschlossen hat.

"Bayern kann hier Vorbild sein", ist Sven Lehmann überzeugt. "Selbst beim Oktoberfest funktioniert der Schutz vorm Passivrauchen."

Dem Antrag zufolge soll Schluss sein mit der dicken, verqualmten Luft in allen Kneipen. Das gilt auch für Sonderregelungen für Einraumkneipen und Brauchtumsfeiern, wo derzeit noch geraucht werden darf. An Schulen soll das Rauchen auch nach der Unterrichtszeit verboten werden, genauso wie auf ausgewiesenen Kinderspielplätzen. Keine Ausnahme heißt übrigens auch, dass in der Schalke-Arena rauchfreie Zone ist, sofern das Dach zu ist.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen

Zu Befürchtungen aus der Gastronomie, die Umsätze könnten durch einen konsequenten NichtraucherInnenschutz einbrechen, sagt der grüne Landesvorsitzende:

"Warum soll in der Gastronomie in NRW nicht funktionieren, was europaweit funktioniert? Nicht eine einheitliche Regelung ist das Problem für die Gastwirte, sondern die Wettbewerbsverzerrungen im derzeit existierenden Gesetz. Die Landesregierung wird in Kürze einen Gesetzentwurf vorlegen, der dann sicherlich breit diskutiert werden wird. Gerade der Dialog mit den Gastwirten ist uns dabei besonders wichtig."

 

Und außerhalb der Gastronomie …

… funktioniert der Nichtraucherschutz im Grundsatz gut: in öffentlichen Verwaltungsgebäuden, in öffentlichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen, aber auch auf Flughäfen bleibt die Luft ohne Protest rauchfrei.

Wünschenswert wäre allerdings auch, dass alle Arbeitsgeber zum Schutz ihrer Belegschaft den Nichtraucherschutz konsequent umsetzen würden.

INFO

Seit August 2010 gibt es in Bayern das bundesweit konsequenteste Nichtraucherschutzgesetz. Per Volksentscheid hat sich die Mehrheit der Bayern für ein absolutes Rauchverbot in Gaststätten und Festzelten ausgesprochen. Hier, in öffentlichen Einrichtungen und Bildungsstätten gibt es keine Ausnahmeregelungen mehr. Das Saarland ist diesem Beispiel bereits im März gefolgt. NRW wäre dann das dritte Bundesland mit einem konsequenten NichtraucherInnenschutz.

Löchriges "Rauch-frei-Gesetz" der Rüttgers-Regierung

Das 2008 verabschiedete Nichtraucherschutzgesetz bietet eine ganze Palette von Ausnahmen, mit denen ein Rauchverbot problemlos zu umgehen ist. Ein Flickenteppich und Wettbewerbsverzerrungen in der Gastronomie sind das Ergebnis. So sind z. B. Gaststätten unter 75 Quadratmetern mit nur einem Raum ohne Verzehr von zubereiteten Speisen vom Rauchverbot ausgenommen. Gleiches gilt für so genannte Raucherclubs, Festzelte und Brauchtumsveranstaltungen wie Karneval.

Der damalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), der sich selbst das Rauchen abgewöhnt hatte, pochte seinerzeit auf diese Ausnahmeregelungen: In solchen Kneipen und Restaurants, die klar als Raucherlokal gekennzeichnet seien, gelte das Verbot dann nicht, gab Rüttgers damals von sich. In öffentlichen Gebäuden und Diskotheken sei dagegen ein absolutes Verbot erforderlich.

Das nennt man wohl Klientel- statt NichtraucherInnenschutz…

Kommentare

  1. Jürgen Kiwitt Duisburg
    Vergesst bitte nicht die Kinder und Jugendlichen in Sportvereinen wie z.b. in Fußballvereinen wo der Trainings und Spielbetrieb im freien stattfindet. Wenn auf Schulhöfen und in Zukunft auch auf Spielplätzen endlich nicht mehr geraucht werden darf, warum sollte es dann in Vereinen mit Kinder und Jugendlicher Freizeitgestaltung und Sportbetrieb weiterhin erlaubt sein. Als Fußballtrainer einer E-Jugend werde ich ständig mit diesem Egoistischem verhalten der Raucher auf allen Fußballplätzen in Duisburg und auch im eigenem Verein konfrontiert. Ich versuche ständig diese unerträgliche Belastung und die schlechte Vorbildfunktion die dieses Rauchen ohne Rücksicht nach sich zieht zu minimieren, aber leider ohne Erfolg. Ich würde mich auch hier über eine zwingend und längst überfällige geordnete Gesetzgebung sehr freuen.
  2. Rolf Czybik Wuppertal
    Sie sagen, das Reinheitsgebot im Bier wäre da, jetzt fehlt nur noch das Reinheitsgebot für Kneipenluft. Mag sein!
    Sie sagen, der Nichtraucherschutz in öffentlichen Bereichen wie Flughäfen funktioniert gut! Stimmtz nur sehr teilweise. In sämtlichen Bereichen der Deutschen Bahn, damit meine ich wirklich alle Bahnhöfe, große wie kleine, funktioniert es faktisch überhaupt nicht. Da wo es Raucherbereiche gibt werden sie immer weniger genutzt. Und da wo sie genutzt werden, sind sie um Süßigkeitenautomaten gebaut oder um die Fahrpläne herum. Bei allen anderen Bahnhöfen stören sich sehr viele Raucher nicht um das Verbot. Zu diesen Leuten gehören auch häufig Bahnbedienstete.
    Zugegeben, ich weiß nicht ob eine Landesregierung da etwas machen kann. Ich würde mir aber wünschen, das man das überprüft und dann auch publik macht, sollte man diese Mängel ebenfalls feststellen. Der Nichtraucherschutz bei der Bahnist einfach eine Farce.
    Vielen Dank
    Rolkf Czybik
  3. Anna
    Wenn es so geregelt wird, wie geplant, dann ist das schon ein großer Schritt vorwärts. Aber immer noch kann man sich als Gast nicht draußen hinsetzen. Es ist eine typisch deutsche Einstellung, zu glauben, Qualm sei im Freien weniger stinkend als drinnen und würde sich dort nicht in der Kleidung Unbeteiligter festsetzen. In anderen Ländern ist das anders. Ich erinnere nur daran, wie empört der arme Minister Struck von der SPD war, als er in Amerika über einen Zaun steigen mußte, um seine Pfeife anzuzünden. Dabei hatte er doch vorher groß getönt „ich lasse mir die Zigarette nicht aus der Hand schlagen“. Tja, im Mutterland der Freiheit hat er leider keine Macht darüber, was er als Raucher tun und lassen kann. Hier wurde ihm klar verboten, andere Menschen zu vergiften und vollzustinken – zurecht.

    An die Grünen:
    Wenn Sie sich schon nicht trauen, in Biergärten ein Rauchverbot einzuführen, dann machen Sie doch wenigstens folgendes: Die Hälfte der Plätze draußen hat Rauchverbot, die andere Hälfte nicht, natürlich mit klaren Regeln zur Aufteilung. Dann hat man als normalatmender Meschen das, was die Raucher immer „Wahlfreiheit“ nennen.
    Im übrigen werden die Kneipen auch nach diesem neuen Gesetzt, welches geplant ist, wieder nach Qualm riechen, weil die Raucher exakt im Türrahmen stehen werden mit ihrer Fluppe. Raucher kennen ja den Unterschied zwischen „drinnen“ und „draußen“ nicht. Es muß also zwingend eine Bannzone um Eingänge und Fenster her, wenn die Kneipen wirklich rauchfrei sein sollen.
    DAS ist doch wirklich nicht zuviel verlangt, und es ist in z. B. Kalifornien selbstverständlich.

    Das Leiden der Millionen Kinder, welche zuhause eingequalmt und für's Leben geschädigt werden, ist damit noch nicht einmal angesprochen.
  4. Hans Mülheim
    Ich bin für das jetzige Gesetz in NRW. Es kann doch nicht sein, dass wir mit ein paar Hundert Delegierten Millionen von Bürgern überstimmen. Was ist aus Basisdemokratie geworden? Wer wird denn zum Raucherkneipenbesuch gezwungen? Glück auf!
  5. Ulf Wunderlich Meerbusch
    Zu Viel der Regelwut !

    Laßt den Wirt entscheiden, mit welchem Publikum er sein Geld verdienen will. Ich bin auch nicht gezwungen, asiatisch essen zu gehen, wenn ich es lieber spanisch oder französisch mag.
    Wir werden ein ungeheures Kneipensterben in NRW bekommen, weil wir eben doch ein bischen anders als die Bayern oder gar die Italiener sind. Bislang waren wir stolz darauf !
  6. Wilhelm Tegeler Vreden-Ammeloe
    Nun wohl,ein Rauchverbot in Kneipen mag für viele sinnvoll sein,für den Unternehmer Gastwirt wohl kaum.In meinem Betrieb werden Nichtraucherräumlichkeiten mit über 100 Sitzplätzen und eigenem Thekenbereich und Raucherräumlichkeiten mit 45 Sitzplätzen und Theke angeboten.Durch diese bauliche Trennung ist es mir seit Einführung des Rauchverbotes nicht mehr möglich größere Veranstaltungen durchzuführen,wodurch ich einen Umsatzverlust von ca.40 % habe.Auch habe ich die Erfahrung gemacht,das es bei Feierlichkeiten die Nichtraucher zu den sich draussen oder im Raucherbereich aufhaltenden Rauchern zieht.Dadurch wird die Feier natürlich auseinander gezogen,so das in mehreren Fällen(Hochzeitsfeiern) die Musik ihr Programm vorzeitig beendet hat.Genau so wird es dann in Zukunft auch mit Zeltfesten enden.Die Raucher stehen draussen am Bierwagen,die Nichtraucher versuchen krampfhaft drinnen ein Fest auf die Beine zu stellen.Wie es in vielen Fernsehberichten zu sehen war,klappte es auch auf dem Oktoberfest nicht mit dem Rauchverbot.Immer wieder sah man Leute im Hintergrund mit Zigarette.Dem Oktoberfest schadet ein Rauchverbot nicht,da genügend Publikum auf freie Plätze in den Zelten wartet.Aber was ist mit den kleinen regionalen Festen,die von einer bestimmten Zahl Gäste abhängig sind?In größeren Städten mag ein Rauchverbot in Kneipen funktionieren,aber bei uns im Dorf nicht.Die Anzahl Raucher ,die dann ihren Stammtischabend privat verbringen werden,können bei mir nicht durch Nichtraucher ersetzt werden.Viele private Feiern wie Hochzeiten,Geburtstage usw. werden im ländlichen Bereich (seit dem Rauchverbot) in Zelten auf dem Hof oder in Scheunen und Partyräumen veranstaltet.Selbst ein MdB hat seinen Geburtstag in einem Zelt auf dem Hof gefeiert.

    In meinem Betrieb wird streng auf den Nichtraucherschutz geachtet.Eingesetztes Personal arbeitet nur freiwillig in den Raucherräumlichkeiten,seltsamer Weise finde ich fast keine Leute die im Nichtraucher arbeiten wollen.Trotz Hinweise auf die Gefährdung durch Passivrauchen ziehen es einige Nichtraucher vor,sich in den Raucherräumlichkeiten aufzuhalten,und blockieren damit die spärlichen Raucherplätze.Als ich einen fragte"Warum" bekam ich zur Antwort:"Wenn durch ein Rauchverbot in Kneipen wirklich weniger Passivraucher sterben, dann wäre ein Wochenendfahrverbot für Jugendliche sicherlich genau so sinnvoll, um die Zahl der Verkehrstoten zu verringern." Übrigens ist dieser Herr selbständiger Apotheker,und müßte um die Gefahr des Passivrauchens wissen.
    Mein Fazit.
    Nichtraucher sind nicht in der Lage sich selber, z.B. durch Fernhalten aus Raucherbereichen,zu schützen.Da muß ein Gesetz her.

    Nichtraucher suchen oft die Gesellschaft der Raucher.

    Bei einem Rauchverbot werden viele kleine dörfliche Feste kaputt gehen.

    Auf dem Land gibt es keine Möglichkeit neue Kunden zu gewinnen.

    Nichtraucher könnten demnächst ungefährdet Kneipen aufsuchen,sofern dort nicht schon die Lichter ausgegangen sind.

    Ein Rauchverbot verbietet mir im Endeffekt das Rauchen in MEINEN EIGENEN Räumlichkeiten,da diese einer Schankerlaubniss unterliegen.
  7. Bernd Struckmeier Lübbecke
    Aber bitte (Regel-)Hände weg von der E-Zigarette. In dieser Beziehung überlasst es bitte dem Hausrecht des jeweils Verantwortlichen.
    Ich finde es unerträglich und nicht nachvollziehbar, sich für ein E-Zigaretten-Verbot stark zu machen beim gleichzeitigen Dulden der nachweislich gefährlicheren Tabak-Zigarette.
  8. Helge Theinert Bodenkirchen
    Als Bayer kann ich ganz gut beurteilen wie der Nichtraucherschutz hier bei uns funktioniert. In den kleinen Kneipen auf dem Land wird nach wie vor geraucht ( wo klein Kläger da kein Richter ) ansonsten wären die auch sofort
    pleite. Die jetzige Regelung in NRW ist doch soweit ganz i.O.
    Es wird doch kein Nichtraucher in die Raucherkneipe gezwungen.
    Hier werden ganz klar 35 % der Bevölkerung diskriminiert. Ihr solltet euch lieber um den Rentenbetrug kümmern, das wäre viel wichtiger, aber als Abgeordneter mit Luxusversorgung hat man da ja keine Probleme !!!
  9. Horst
    Wer gern miterleben möchte wie Denunziantentum funktioniert... nur zu. Ich habe selbst erleben dürfen wie dien Polizei bei einer PRIVATEN ! Feier die unumgängliche Gästeliste mit den anwesenden Personen abgeglichen hat. Und ausserdem : Wen muss man denn eigentlich noch schützen ?? Die Nichtraucher die trotz Regelung sowieso keine Gaststätte betreten oder die Nichtraucher die trotzdem eine Raucherkneipe aufsuchen ?? Wer mir auch noch weismachen
    möchte dass ein Nichtraucher keine ihm genehme Lokalität findet, der war die letzten 2 Jahre
    nicht draussen.
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