Frauen-Fussball-WM

Frauenfußball in NRW

Nicht alles läuft so rund wie der Ball!

Wie bei den Männern kann man auch für die Frauen sagen: Das Herz des Fußballs schlägt in NRW. Mit Vereinen wie Fortuna Dortmund und Gruga Essen spielte NRW schon in den Anfangsjahren des Frauenfußballs eine wichtige Rolle. Trotz offiziellem Frauenfußballverbot (1955-1970) durch den Deutschen Fußball Bund (DFB) verfolgen nicht selten mehrere Tausend, meist männliche Zuschauer, die Spiele der Damen. Es gab sogar schon inoffizielle Länderspiele, an denen nicht wenige Akteurinnen aus NRW teilnahmen.

Auch wenn die Männer zunächst eher auf der Suche nach Belustigung in die Stadien kamen, so mussten sie doch feststellen, dass es den Frauen ernst war und dass sie nicht bereit waren, sich vom grünen Rasen vertreiben zu lassen.

Nach der offiziellen Anerkennung des Frauenfußballs durch den DFB folgten Mannschaften wie die SSG Bergisch Gladbach oder der TSV Siegen, die den noch jungen Sport in seinen Anfangsjahren über weite Strecken mitprägten und viele Meisterschaften und Pokalsiege einfuhren. Bekanntestes und erfolgreichstes NRW-Team ist zurzeit der FCR Duisburg. Zwar hat es für die Duisburgerinnen in diesem Jahr nicht für einen Titel gereicht, sie gehören jedoch zusammen mit Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt zu den „großen Drei“ der Bundesliga und sind auch international bekannt und gefürchtet. Diese drei Mannschaften machten in den vergangen Jahren den Kampf um die Spitzenposition deutschland- und europaweit fast unter sich aus. Dass es noch immer ein starkes Leistungsgefälle in der Frauenbundesliga gibt, bekam mit Herford in diesem Jahr auch ein Team aus NRW zu spüren: Schon weit vor Ende der Saison war der Abstieg nicht mehr abzuwenden.

Bei der WM rollt der Ball gleich in drei Spielorten in NRW: Leverkusen, Bochum und Mönchengladbach. Bei der U20 Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr war Bochum bereits Spielort und Bielefeld wurde sogar die Ehre zuteil, das Finale auszutragen, welches die deutschen U20-Frauen sehr zur Freude der vielen Fans gewann. Schon bei der WM 2006 hat NRW gezeigt, dass die Menschen hier im positiven Sinne fußballverrückt und weltoffen sind. In diesem Sommer wird die Fußballparty vielleicht eine Nummer kleiner ausfallen, aber für den Frauen- und Mädchenfußball wird die WM hoffentlich einen weiteren Schub geben. Von den etwa sechs Millionen Mitgliedern im DFB sind etwas mehr als eine Million Frauen und Mädchen – Tendenz steigend. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Frauen, die sich als Trainerinnen oder Schiedsrichterinnen engagieren. Leider ist es im Fußball aber auch nicht anders als in anderen Bereichen der Gesellschaft, die Chefsessel besetzen die Männer. Und die Beharrungstendenzen scheinen hier vielleicht noch größer zu sein. Wenn man Frauen in den Vorständen von Vereinen und Verbänden trifft, dann bekleiden sie zumeist die Posten der Frauen- oder Sozialwärtin. 

 

Die Vorfreude auf die WM ist nicht nur in NRW groß. Wenn diese Entwicklung aber nicht nur eine Momentaufnahme sein soll und Sepp Blatters weitsichtige Aussage „die Zukunft des Fußballs ist weiblich“ auch nachhaltig mit Leben gefüllt werden soll, dann muss sich noch einiges ändern im Verhältnis Frauen und Fußball. Frauen müssen auch in den Vereinen und Verbänden endlich den Marsch durch die Institutionen antreten und Verantwortung und Macht einfordern. Wenn auch die Spiele der Bundesliga endlich mehr Beachtung finden sollen, dann müssen sie auch mehr Niederschlag in den Medien finden, sei es in den Sportsendungen im Fernsehen oder in den Zeitungen und Magazinen.

Und nicht zuletzt müssen wir bei der Förderung von Mädchen am Ball bleiben. Dabei geht es nicht nur um die Perspektive vielleicht selbst einmal in die Fußstapfen der Nationalspielerinnen von heute zu treten, sondern vor allem um den Spaß am Fußball.

Josefine Paul, sportpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion

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