GRÜNE im Dialog
"Man kann die Taliban nicht an den Verhandlungstisch bomben"

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass nach den Anschlägen am 11. September 2001 der Afghanistan-Krieg begann. Im Dezember findet die internationale Außenministerkonferenz in Bonn statt, bei der eine Strategie für die Zukunft des Landes erarbeitet werden soll.
"In den vergangenen zehn Jahren wurde keine Sicherheit für die Bevölkerung hergestellt" meint Monika Hauser zur Lage vor Ort. Als die Ärztin Anfang der 1990er Jahre die Frauenrechtsorganisation medica mondiale gründete, war der Afghanistan-Krieg noch nicht absehbar.
Die Trägerin des alternativen Friedensnobelpreises geht mit der militärischen Strategie der am Krieg beteiligten Nationen hart ins Gericht. Bis heute gehe es vor allem um die Interessen der internationalen Politik, "es ging nie um die Interessen der Zivilbevölkerung."
Afghanen nach ihren Wünschen fragen
Oberst Ralf Kneflowski, Kommandeur des Landeskommandos NRW, will dem zwar nicht zustimmen - er ist sich jedoch sicher, dass von außen gefällte Entscheidung für das Land nicht viel bringen: "Wir müssen die Herzen und Köpfe der Afghanen gewinnen und sie fragen: Was wollt ihr eigentlich von uns?" Nur wer sich mit ihrer Kultur auseinandersetze, könne die Bevölkerung und ihre Wünsche besser verstehen.
Zwar konzentriere sich die Berichterstattung über das Leben in Afghanistan in der Regel auf die größeren Städte, doch "hier lebt nur ein Viertel der Menschen. Der Rest lebt auf dem Land. Die Afghanen sind im tiefsten Herzen antizentralistisch, Familien sind das A und O", so Kneflowski, der selbst in Afghanistan stationiert war.
"Wir konzentrieren uns mit unserer Arbeit schon längst auf die ländliche Bevölkerung", sagt Mike Bratzke von der Welthungerhilfe. Die Organisation ist seit über 20 Jahren am Hindukusch präsent und hat bereits viele Selbsthilfegruppen gegründet. Einen möglichen Total-Abzug der militärischen Kräfte sieht Bratzke kritisch: "Davor haben meine lokalen Kollegen und die Menschen vor Ort große Angst." Die allgemeine Sicherheit sei in den nächsten drei Jahren kaum herzustellen.
"Es gibt keine ganz saubere und schöne Lösung"
Eine große Rolle spielen hierbei auch die gewaltbereiten Taliban. Sie durch militärische Gewalt zur Kooperation zu zwingen, hält Frithjof Schmidt für Irrsinn. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN Bundestagsfraktion ist sicher: "Man kann die Taliban nicht an den Verhandlungstisch bomben." Die gehörten dort aber trotz ihrer Gewaltbereitschaft hin. "Man muss sich auch mit unliebsamen Afghanen an den Tisch setzen. Es gibt hier keine ganz saubere und schöne Lösung", bedauert Schmidt.
Roland Schüler vom Friedensbildungswerk Köln lehnt den Einsatz von Waffen komplett ab: "Militärische Intervention kann keine Antwort auf Terrorismus sein. Gewalt kann nicht mit Gewalt beantwortet werden, das erzeugt nur neue Gewalt. Blinde Rache führt zu nichts."
Frithjof Schmidt hat 2001 als Landesvorsitzender der GRÜNEN NRW gegen den Einsatz in Afghanistan gestimmt. Er wäre sogar bereit gewesen, die rot-grüne Koalition in Berlin zu verlassen. "Ich würde meine damalige Haltung heute wahrscheinlich beibehalten", meint Schmidt nach kurzem Abwägen, "doch ich bin auch für eine Ethik des Abzugs, der schrittweise erfolgen muss."
Moderator Sven Lehmann: "Unsere Diskussion im Vorfeld der Bonner Außenministerkonferenz hat gezeigt: Wir brauchen Geduld und Afghanistan weiterhin unser Engagement. Der schrittweise Abzug und die Stärkung des zivilen Aufbaus sind zwei Seiten derselben Medaille. Für uns Grüne muss es darum gehen, das 'capacity buildung', also die Unterstützung der Zivilgesellschaft, zu stärken und die engagierten NGOs weiter zu unterstützen."

Kommentare
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Markus Eisner





Aber leider scheint ein Großteil der Afghanen die Taliban zu unterstützen.