Demokratie

Bürgerbefragung Godorfer Hafen

Kölner Beispiel ermutigend für demokratische Kultur in NRW

"Wenn Politik sich streitet - freuen sich die Bürgerinnen und Bürger", erklärt der Vorsitzende der NRW-GRÜNEN, Sven Lehmann, zu ersten verbindlichen Bürgerbefragung der Stadt Köln am Sonntag.

"Was in der Vergangenheit in der Regel nicht galt, wird am Sonntag in der größten Stadt in NRW Wirklichkeit: Zum ersten Mal findet in Köln eine vom Rat freiwillig initiierte Bürgerbefragung statt. Die Kölnerinnen und Kölner stimmen über den Ausbau des Godorfer Hafens im Süden der Stadt ab. Der Ausbau war und ist ein politischer und juristischer Zankapfel zwischen Stadt, Parteien und Bevölkerung. Mit der Bürgerbefragung gibt der Stadtrat nun die Entscheidung an die Bevölkerung ab.
Das Beispiel ist ermutigend für eine lebendige demokratische Kultur. Bei gesellschaftlichen Großkonfliktthemen tun die Parteien gut daran, den Menschen die Entscheidung zuzutrauen und den Konflikt damit zu klären. Daher setzen wir GRÜNE uns auch seit jeher für das Absenken der Hürden bei Bürger- und Volksentscheiden ein. Köln zeigt: Konkrete Entscheidungen vor Ort politisieren. Schon vor dem Urnengang haben über 63.000 Kölnerinnen und Kölner sich per Briefwahl an der Abstimmung beteiligt.
Die GRÜNEN rufen zu einem NEIN gegen den Hafenausbau auf. Das Vorhaben verschleudert 67 Millionen Euro in ein Großprojekt, der wirtschaftliche Nutzen ist nicht erwiesen. Die Kapazitäten der anderen Häfen, vor allem Niehl I, sind bei weitem nicht ausgeschöpft, die Zukunft der Güterverkehrslogistik liegt in der regionalen Zusammenarbeit mit anderen Städten. Nicht zuletzt würde mit der Sürther Aue ein wertvolles Naturschutzgebiet zerstört."

Kommentare

  1. Thomas Kahlix Köln-Rodenkirchen
    An sich ist ein MEHR an direkter Demokratie ein Grund zur Freude.
    Ja, da sind auch hehre Ziele und Sorge um das Wohl der Demokratie auf Seiten der Initiatoren (SDP, Stadtverwaltung, SPD-OB) und der Grünen, die aus grundsätzlichen Überlegungen wohl mitgezogen haben.

    Aber ist das Verfahren auch fair?
    Liest Bürgerin und Bürger die von "Mehr Demokratie" hochgelobte Informationsbroschüre der Stadtverwaltung, reibt sie/er sich verwundert die Augen: Vorgebliche Information auf den ersten drei Seiten entpuppt sich als tendenziöse und manipulative Propagandaschrift. Einseitig und voller Falschaussagen. Ein empörter Protest beim OB bleibt unbeantwortet (nachzulesen unter www.hochwasser.de - NEWS).
    Da macht sich Ernüchterung breit: So also stellt sich der alteingesessene Kölner Klüngel direkte Demokratie vor.

    Dennoch: Das Ding wird Wirkungen haben, die sich die Beton-Sozialdemokraten nicht im Traum werden vorstellen können. Und was jetzt noch schief läuft, muß beim nächsten Mal einfach besser werden. Aber die Grünen sollten aufpassen: Allzuleicht wird man instrumentalisiert.
    Wie warnte doch gleich der polnische Spötter Stanislaw J. Lec: "Ein falscher Schritt, und du bist am Ziel anderer" ...
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