Landespolitik

Jugendmedienstaatsschutzvertrag

Grüne wollen mit SPD Gespräche über Nicht-Zustimmung führen

Ergebnis der Grünen Fraktionssitzung von heute.

Die Grüne Landtagsfraktion hat heute nach ausführlicher Debatte den Fraktionsvorstand gebeten, noch einmal Gespräche mit der SPD-Fraktion über den Jugendmedienschutzstaatsvertrag zu führen. Ziel der Gespräche soll sein, dass die Koalitionsfraktionen von SPD und Grünen dem Staatsvertrag im Landtag nicht zustimmen.

Hintergrund zum JMStV

Der Jugendmedienstaatsschutzvertrag in seiner jetzigen Form wurde von den Landesregierungen erarbeitet. Für Nordrhein-Westfalen war hierfür die damalige Regierung aus CDU und FDP beteiligt, Jürgen Rüttgers hat den Vertrag als amtierender Ministerpräsident auch unterzeichnet. Damit der Jugendmedienschutzstaatsvertrag in Kraft tritt, muss er nun von allen Landesparlamenten ratifiziert werden. Es gilt dabei: Ja oder Nein, denn Änderungen am Vertrag sind nicht mehr möglich.

Im Landtag von NRW fand auf Vorschlag der Grünen Landtagsfraktion eine Experten-Anhörung zum JMStV statt, für die wir auch die NetzbewohnerInnen um Input gebeten hatten. Am 14. November hat der kleine Landesparteitag (Landesparteirat, kurz: LPR) den Beschluss "Zielführender Jugendschutz statt unüberlegter Gesetze" gefasst, in dem eine Nichtzustimmung zum JMStV empfohlen wird. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft Medien lehnt den Vertrag ab.

Die komplette Landtagsfraktion hatte auf der Fraktionssitzung am 30.11. zum ersten Mal den Jugendmedienstaatsschutzvertrag auf der Tagesordnung und kam zu dem oben genannten Ergebnis.

Kommentare

  1. Stefan
    Bitte, bitte! Dieser Gesetzesvorschlag ist einfach nicht durchführbar bei einem Medium wie dem Internet. Dafür ist selbiges einfach zu dynamisch und das überprüfen von Seiten würde unnötig Ressourcen fressen. Steckt diese bitte lieber in Internetbildung für Jugendliche und Kinder damit sie lernen, damit richtig umzugehen.
  2. Enrico Internet
    Die Haltung zu diesem Thema hat meine Meinung über die Grünen als Partei die zwar große Töne spuckt aber keine Taten folgen lassen kann bestätigt.

    Sie haben die einmalige Gelegenheit mich und Tausende Andere vom Gegenteil zu überzeugen indem dieses mehr als sinnfreie Gesetz abgelehnt wird. Des Weiteren wäre es sehr schick einmal die Verantwortlichen dieser realitätsfremden Vorlage zu benennen!
  3. Markus
    Der JMStV in seiner jetztigen Form ist ein schlechter Witz. Sendezeiten? Alterskennzeichnung? Hallo? Das Internet ist international, nationale Regeln bringen genau gar nichts - außer, daß die Contentproduzenten eben in's Ausland gehen und Deutsche Anbieter im globalen Wettbewerb chancenlos sind. Eine Ausdünnung des Deutschen Angebots im Web ist die Folge. Eine Zustimmung zu diesem Gesetz macht alle beteiligten Parteien automatisch unwählbar. Fraktionszwang ist da keine Ausrede. Für seine Überzeugungen muß man einstehen, Punkt. Mit einer Zustimmung gesteht man sich ausschließlich seine eigene Inkompetenz ein.
  4. Andi Blub NRW
    Ui, nun wird also doch noch versucht die eigene Bankrotterklärung in Sachen Medienkompetenz zu revidieren. Gut so !
    Im Sinne eines freiheitlichen Internets und im Sinne des Jugendschutzes bleibt zu hoffen, dass dies auch noch geschafft wird.

    Gruß, ein entsetzter Bürger.
  5. Jonas Sterr Passau
    [quote]Steckt diese bitte lieber in Internetbildung für Jugendliche und Kinder damit sie lernen, damit richtig umzugehen. [/quote]

    Pflichtfach seit der ersten Klasse. IT-Kunde. Wäre ne Sache ;)

    JMSTV ist sinnlos und zerstört das deutsche Web.
  6. Dr. Richard W. RALFS KÖNIGSWINTER, Rhein-Sieg-Kreis
    Unser LAG MEDIEN hat sich ausführlich mit dem Thema befasst und sich - wie inzwischen auch der Landesparteirat - deutlich (!) dafür ausgesprochen den JMStV abzulehnen (http://blog.gruene-nrw.de/2010/11/18/diskussion-und-beschluss-der-lag-medien-zum-jmstv).

    Genaueres zu den Kritikpunkten findet Ihr hier:

    Technische Betrachtung des JMStV:
    http://achim-mueller.org/images/jmstv_piraten.pdf

    Ausführliche Darlegung der Pflichten & Folgen für Website-Betreiber:
    http://politik.benjamin-stoecker.de/2010/11/08/der-jmstv-im-internet-eine-ausfuhrliche-darlegung-der-pflichten-und-folgen/
  7. Marc Köberlein Sundern/Malang
    Das Gesetz in der jetzigen Form ist wohl eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme für Abmahnanwälte. Sicherlich gibt es schon einige die in den Startlöchern sitzen und schon eine MAsse Formschreiben vorbereitet haben (mit Freifeld für URL und Name.

    Das betrifft nicht nur private Blogger, sondern auch Kleinunternehmen, die neben Produkten hin und wieder mal einen Artikel über jene publizieren. Ein falscher Satz, ein falsches Wort = Abmahnung?

    UNd muss ich nun nächstes Jahr Jugendschutzbeauftragter unseres 3-Mann-Unternehmens werden??? Das ist doch bizarr.

    Vielen Dank an *****-Stephanie zu Guttenberg an dieser Stelle, die so schöne die German Angst befeuert hat.
  8. Andreas Breitbach D
    Liebe Grüne,

    mit der Nicht-Zustimmung zum JMStV habt ihr die Gelegenheit, gegenüber (regierungs)kritischen Bloggern eure ausdrückliche Zustimmung auszudrücken! Bitte verhindert, dass wir alle für gute Netzpolitik im Superwahljahr 2011 noch die Piraten wählen müssen ;-)
  9. Bernd Reinecke Grevenbroich
    Kostet es Steuergelder? -Ja
    Schneidet es Freiheiten ein? - Ja
    Bringt es absehbar den gewünschten Erfolg? - NEIN
    Ist es (von den Schutzbefohlenen) umgehbar? - Ja

    Sinn dahinter: Medienwirksam duch inkompetente Personen ein Gesetz verabschieden und hoffen, die Bürger sind zu blöd, zu merken dass es kostet, nichts bringt und die Freiheit der Bürger noch weiter einschneidet.
  10. René Haltermann Wattenbek
    Ich bin zwar kein Wähler der Grünen, aber sowas darf nicht durchgehen! Man kann so ein mächtiges Medium nicht einfach zensieren. Und wenn es da so weiter geht werden die Grünen wohl bald viel viel mehr zu sagen haben als jetzt!
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