Glossar
Finanzkrisen-ABC
Bankenabgabe
Sie verpflichtet Finanzdienstleister, insbesondere Banken, zu einer finanziellen Abgabe. Dieses Kapital wird bspw. in einen Fonds eingezahlt, um die im Falle einer Bankenkrise anfallenden Kosten zumindest teilweise abzudecken. Der Grundgedanke der Bankenabgabe ist es, den Finanzsektor an den Kosten der Bewältigung einer Finanzkrise zu beteiligen. In Deutschland wurde die Bankenabgabe im Herbst 2010 als Teil des Restrukturierungsgesetzes verabschiedet. Die Höhe der Abgabe richtet sich dabei nach der Bilanzsumme der Bank und dem Risiko, das sie durch ihre Geschäfte eingeht.
Bonität
Mit diesem Begriff wird die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens oder auch Staates bezeichnet. Bonität ist ein wichtiges Kriterium für à Rating-Agenturen.
Deutscher Aktienindex (DAX)
Der DAX ist ein Börsenverzeichnis und wurde zum ersten Mal 1988 veröffentlicht. Er umfasst die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Aktien.
Derivate
Der Begriff kommt aus dem lateinischen (derivare = ableiten). Derivate werden oft als Sammelbegriff für Finanztermingeschäfte verwendet; es handelt sich hierbei um Verträge, bei denen sich die Geschäftspartner darauf festlegen, bestimmte Vertragsgegenstände zu festgelegten Bedingungen in der Zukunft zu erwerben, zu tauschen oder verkaufen. Der Wert bzw. Preis von Derivaten hängt vom voraussichtlichen Wert des Handelsguts oder Finanzpapiere wie Aktien oder Anleihen ab. Durch ihre Konstruktion vollziehen Derivate die Schwankungen der Preise von Anlageobjekten überproportional nach. Daher lassen sie sich sowohl zur Absicherung gegen Wertverluste als auch zur Spekulation auf Kursgewinne ihres Bezugswertes einsetzen. Mit Derivaten schließt man eine Art Wette darüber ab, wie sich der Kurs eines jeweiligen Bezugswertes in der Zukunft entwickeln wird.
Dow Jones
Der Dow Jones ist der wichtigste amerikanische Aktienindex und wurde vom Verlagshaus Dow Jones & Co. 1896 zum ersten Mal berechnet. Der Dow Jones Index ist streng genommen der Dow Jones Industrial Average (DJIA) die 30 größten US-Aktiengesellschaften listet. Darüber hinaus gibt es noch die Indizes Dow Jones Transportation Average (DJT, 20 größte Transportunternehmen), Dow Jones Utility Average (DJU, 15 größte US-Versorger) sowie Dow Jones Composite Average (alle Unternehmen des DJIA, DJT und DJU).
Europäische Zentralbank (EZB)
Die EZB ist die von der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion eingerichtete Währungsbehörde, ihr Sitz ist in Frankfurt. Aufgabe der Europäischen Zentralbank ist die Festsetzung und Ausführung der europäischen Geldpolitik, wobei immer die Preisstabilität im Auge behalten werden muss. Die Zentralbank darf alleinig die Ausgabe von Euro-Noten genehmigen und ist in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben absolut unabhängig.
Euro-Bonds
Euro-Bonds gibt es bislang nicht. Sie sollen Anleihen sein, die gemeinsam von Staaten der Euro-Zone vergeben werden. Dabei würden alle Länder gemeinsam für die Rückzahlung dieser Papiere haften. So könnten auch EU-Mitgliedsstaaten mit hoher Staatsverschuldung, wie Griechenland, an Geld kommen, ohne dabei auf Grund ihrer schwachen à Bonität erhöhte Zinsen zahlen zu müssen.
Finanzmärkte
An Finanzmärkten wird mit Kapital gehandelt. Hier herrschen Angebot und Nachfrage – auf der Nachfrageseite werden finanzielle Mittel gesucht, um ein Geschäft zu finanzieren, auf der Angebotsseite bietet jemand diese Mittel an. Je nach Finanzierungsmittel handelt es sich bei den einzelnen Finanzmärkten um Geld-, Kapital- oder Devisenmärkte. An den Devisenmärkten werden Währungen gehandelt, an Kapitalmärkten mit Wertpapieren und an Geldmärkten handeln die Banken ihr Zentralbankgeld und flüssige Mittel.
Hedgefonds
Unter Hedgefonds versteht man eigenständige Anlageinstrumente verschiedener Art mit hohen Risiken, die bisher kaum reguliert sind. Sie haben den Anspruch, sowohl bei fallenden als auch steigenden Kursen hohe Gewinne zu erzielen. Dabei wenden Hedgefonds-Manager unterschiedliche Strategien an, zum Beispiel den spekulativen Leerverkauf von Wertpapieren.
Internationaler Währungsfonds (IWF)
Der IWF wurde 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods gegründet und hat 185 Mitgliedsländer. Er ist eine Behörde der UN mit Sitz in Washington. Aufgabe ist die Sicherung der Stabilität des internationalen Währungs- und Finanzsystems. Er vergibt Kredite an Staaten in Finanznot, die an den Kapitalmärkten kein Geld mehr erhalten. Üblicherweise müssen die verschuldeten Länder dabei strenge Sparauflagen einhalten und Reformbemühungen zur Haushaltssanierung vorweisen.
Leitzins
Der Leitzins wird von den Zentralbanken festgelegt und dient zur Steuerung der Geldpolitik. Er setzt die Konditionen fest, zu denen die Zentralbank Geld an Geschäftsbanken verleiht. Senkt oder erhöht die Bank die Zinsen, kann das allgemeine Zinsniveau beeinflusst werden. Wenn Geld zu niedrigen Zinsen beschafft werden kann, spüren das in der Regel auch die Bankkunden – genauso, wenn die Zinsen erhöht werden. Es gilt die Regel: Ein hoher Leitzins hemmt die Wirtschaft, ein tiefer gibt ihr Auftrieb.
Rating-Agentur
Die Ursprünge der heutigen Rating-Agenturen reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. So stellte der US-Amerikaner Henry Varnum Poor Informationen über Firmen zusammen, als die Eisenbahnunternehmen das Gleisnetz in den USA errichteten und dafür große Kredite benötigten. Heute ist daraus die Rating-Agentur Standard & Poor’s geworden, die mit Moody’s und Fitch die Bekannteste ist. Gerated wird nicht nur die à Bonität oder das Kreditrisiko von Unternehmen, sondern auch das von Staaten, Anleihen und Finanzprodukten. Diese à Ratings werden unter anderem von Aufsichtsbehörden und Investoren genutzt.
Rating
Ein Rating bewertet die Bonität oder das Kreditrisiko von Unternehmen, Staaten, Anleihen oder Finanzprodukten. Je besser das Rating, desto geringer sind die Zinsen, die ein Kreditnehmer für seine Anleihen bezahlen muss. „AAA“ ist die höchste Auszeichnung, „D“ (für default) steht für Zahlungsausfall. Für die Berechnung werden unter anderem die Verschuldungsquote, die Kapital- und Bilanzstruktur aber auch die Zahl der Mitarbeiter einbezogen.
Rettungsschirm
Was umgangssprachlich als Rettungsschirm bezeichnet wird ist der Europäische Stabilitätsmechanismus. Die momentan existierende, zeitlich begrenzte Konstruktion dieses Rettungsschirms steht auf zwei Hauptsäulen. Die „Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF)" wurde von EU-Regierungschefs inmitten der Griechenlandkrise 2010 ins Leben gerufen.Alle Mitgliedstaaten der Eurozone haften gemeinsam für die vom EFSF vergebenen Kredite. Das Geld dafür besorgt sich der EFSF am Kapitalmarkt, wie auch der Internationale Währungsfonds (IFW), dessen Kredite die zweite Säule des Europäischen Stabilitätsmechanismus ausmachen. Die vom Stabilitätsmechanismus vergebenen Kredite werden bisher von den EU-Mitgliedern Irland und Portugal in Anspruch genommen. Die an Griechenland vergebenen Finanzhilfen stammen nicht aus dem Stabilitätsmechanismus, sondern direkt von den Mitgliedsstaaten und dem IWF, da er erst nach Vergabe der Gelder gegründet wurde.
Ab 2013 tritt der dauerhafte Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) auf den Plan. Er übernimmt ab diesem Zeitpunkt die Vergabe und Organisation von Hilfskrediten. Die Mitgliedsstaaten und der IWF stellen in diesem Fall ebenfalls das Kapital bereit. Außerdem haften die Mitglieder für die vergebenen Kredite.
Rezession
Wirtschaftlicher Abschwung wird Rezession genannt. Nach einer weit verbreiteten Definition liegt sie dann vor, wenn das Wirtschaftskapital eines Landes innerhalb von zwei Quartalen schrumpft oder nicht wächst. Einige Ökonomen sprechen aber erst dann von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres hinter das Vorjahr fällt. Üblicherweise gehen mit einer Rezession Kursverluste an der Börse einher und die Arbeitslosigkeit steigt.
Schuldenbremse
Die Schuldenbremse ist im Zuge der Föderalismusreform eingeführt worden und findet erstmals im Jahr 2011 seine Anwendung. Sie wurde 2009 in das Grundgesetz aufgenommen und soll die Nettokreditaufnahme von Bund und Ländern begrenzen. Im Gesetz steht außerdem, dass die Haushalte von Bund und Ländern grundsätzlich ohne Kredite auszugleichen sind.
Staatsverschuldung
Dieser Begriff bezeichnet die kompletten Schulden eines Landes – also die Gesamtforderungen von Kredit gebenden Gläubigern. Sie wird in der Regel brutto betrachtet, so dass eigene Forderungen an Kreditempfänger nicht von der Gesamtsumme abgezogen werden.
Staatsanleihe
Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen, die vom Staat ausgegeben werden. Für die Gläubiger, also die Geldgeber, besteht immer auch das Risiko, dass Kapital und Zinsen nicht fristgerecht oder in vollem Umfang ausgezahlt werden können. Bei einem Staatsbankrott gehen die Gläubiger leer aus. à Rating-Agenturen schätzen dieses Risiko und weisen ihnen eine Bewertung zu.
Staatspleite
Ein Staat geht bankrott, wenn seine Ausgaben langfristig höher waren als seine Einnahmen. Zwar könnte die Zentralbank immer frisches Geld drucken - dadurch nimmt allerdings die Inflation zu, was die Wirtschaft beeinträchtigt. Der Bankrott würde so nicht verhindert, sondern nur verschleiert. Von einer Staatspleite am stärksten betroffen sind die Einwohner. Es drohen Arbeitslosigkeit und der Ausfall staatlicher Leistungen.
Transferunion
Existieren innerhalb einer Union (beispielsweise von Staaten) Mechanismen die finanzielle Mittel zwischen den beteiligten Einheiten umverteilen, kann man von einer Transferunion sprechen. Im Bezug auf die EU wird der Begriff oftmals benutzt, um die Hilfszahlungen, bzw. -kredite die von den finanziell soliden Mitgliedstaaten (u. a. wie Deutschland oder Österreich) an die Länder mit hoher Verschuldung (wie Griechenland oder Portugal) zu beschreiben. Umstritten ist ab welchem Ausmaß von Transfers zwischen den Mitgliedsstaaten von einer Transferunion gesprochen werden kann.
Zentralbank
Die Zentralbank (oder auch Notenbank) ist für die Geld- und Währungspolitik seines Landes zuständig. Die à Europäische Zentralbank kümmert sich um die Geldpolitik der EU. Die Zentralbank hat Steuermöglichkeiten: Wenn beispielsweise eine Inflation droht, kann sie durch Erhöhung des Leitzinses das Wirtschaftswachstum und den Preisauftrieb bremsen.




