Atomkraft

Atomkraft

Atomkraft: Fragen und Antworten

Hier findet ihr Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Atomkraft.

Wie oft kommt es zu einem sicherheitsrelevanten Ereignis in einem deutschen Atomkraftwerk?

Alle drei Tage. So gab es im Jahr 2009 in allen deutschen kerntechnischen Anlagen insgesamt 134 meldepflichtige Vorfälle. Die kritischsten Störfälle in deutschen Atomkraftwerken gab es 1998 in Unterweser und 2001 in Philippsburg.

Wirkt sich die Laufzeit eines AKW auf seine Sicherheit aus?

Fest steht: Ein Atomkraftwerk ist umso unsicherer, je länger es in Betrieb ist. Trotz regelmäßiger Wartung werden Isolierungen von Elektrokabeln mit der Zeit spröde, Rohrleitungen erodieren, mechanische Teile verschleißen und Schmiermittel verharzen. Wegen einer Alterserscheinung gab es im AKW Krümmel 2007 einen Transformatorbrand.

Sind Atomkraftwerke gegen Flugzeugabstürze geschützt?

Nein. Als das Kraftwerk Biblis gebaut wurde, hatte niemand damit gerechnet, dass Flugzeuge als terroristische Waffen eingesetzt würden. Diese Gefahr ist heute viel realistischer und schwebt wie ein Damoklesschwert über uns. Fakt ist: die Sicherheitsbehälter vieler deutscher AKW würden nicht einmal dem Absturz eines Kleinflugzeugs standhalten können.

Kann ein Atomkraftwerk schnell abgeschaltet werden?

Nein, ein AKW hat keinen Not-Ausschaltknopf. Viele Atomkraftwerke verfügen zwar über eine Schnellabschaltung, das Wort „schnell“ ist aber irreführend. Auch nachdem die Kettenreaktion gestoppt wurde, produzieren die Brennstäbe weiter Hitze, die sogenannte Nachzerfallswärme. Die Temperatur steigt ohne Kühlung um 20 bis 60°C pro Minute. Fällt die Kühlung aus, etwa weil die Stromversorgung unterbrochen ist, ist der Reaktor nur noch schwer zu beherrschen, und es kann zu einer Kernschmelze kommen.

Hätte ein Super-GAU in einem deutschen AKW noch schlimmere Folgen als Tschernobyl?

Ja. Die Folgen eines Reaktorunfalls in Deutschland wären schlimmer als in Tschernobyl. Deutschland ist heute viel dichter besiedelt als die Gegend um Tschernobyl 1986. So steht beispielsweise das AKW Biblis am Rande des Rhein-Main und Rhein-Neckar Gebiets. Insgesamt wären ca. 15 Millionen Menschen von einer Umsiedlung betroffen und würden ihre Heimat und Arbeit verlieren. Ein großer Teil unseres Landes wäre auf unabsehbare Zeit weder bewohn- noch passierbar.

Haben Kinder ein erhöhtes Krebsrisiko, wenn in ihrer Nähe ein Atomkraftwerk steht?

Ja. Radioaktivität und Krebs sind ein unzertrennliches Paar. Mainzer Wissenschaftler haben 2007 den Zusammenhang zwischen Blutkrebs bei Kindern und der Nähe von Atomkraftwerken nachgewiesen. 2010 hat sich eine italienische Studie ebenfalls mit dem steigenden Krebsrisiko in der Umgebung von Atomkraftwerken beschäftigt. Auch sie hat gezeigt, dass im Umkreis von Atomkraftwerken das Krebsrisiko signifikant höher ist.

Verhindert eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken Investitionen und Forschung bei den Erneuerbaren Energien?

Ja. Atomkraftwerken fehlt die notwendige Flexibilität, um die schwankende Leistung von Solar- und Windenergie auszugleichen. So laufen heute schon bei starkem Wind viele Windräder im Leerlauf. Bleiben die Reaktoren noch länger am Netz, fehlt der Anreiz, weiter in erneuerbare Energien zu investieren. Je länger die Atomkraftwerke Strom produzieren, desto schwieriger wird es, Geld für die notwendigen Investitionen in Speicher- und Transporttechnik aufzubringen. Die Atomkraftwerke werden so zu Bremsklötzen beim Umbau unserer Energieversorgung.

Wer profitiert von den längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke?

Nur die Energiekonzerne. Durch die Laufzeitverlängerungen sinken die Strompreise nicht, hat das Öko-Institut in Darmstadt nachgerechnet. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern konnte es keinen Zusammenhang zwischen dem Anteil an Atomenergie an der Stromversorgung und dem Strompreisniveau feststellen. Der Strompreis in Deutschland entwickelte sich unabhängig von den Stillstandszeiten der Atomkraftwerke. Vielmehr bedeuten die Laufzeitverlängerungen, dass Investitionen in erneuerbare Energien zurückgehen. Den Atomkonzernen spült die Laufzeitverlängerung für jedes AKW täglich eine Millionen Euro in die Kassen.

Wären neue Atomkraftwerke wirtschaftlich?

Nein. Analysten der Citigroup haben die Rendite in Bezug auf Investitionen bei Atomkraftwerken errechnet. Anlass der Analyse war der Plan der britischen Regierung, neue Kernkraftwerke zu bauen. Das Ergebnis der Finanzfachleute der Citigroup ist eindeutig. Hier sollte nicht investiert werden. Weil: 1. Die Atomtechnologie so kontrovers ist, dass mit zeitlichen und finanziellem Mehraufwand bei der Planung gerechnet werden muss. 2. Sind die erwarteten Baukosten mit 5,6 Milliarden Euro zu hoch. 3. Die Grenzkosten für eine MWh Strom eines Atomkraftwerks sind zu hoch. 4. Atomkraftwerke sind sehr anfällig für Ausfälle. Ein halbes Jahr Stillstand würde etwa 100 Millionen Euro kosten. 5. Die hohen Entsorgungskosten. Fazit: wenn das Atomkraftwerk nicht massiv beim Bau, der Stromabnahme und Entsorgung staatlich subventioniert wird, ist eine Investition nicht sinnvoll.

Wie lange stellt der strahlende Atommüll noch eine Gefahr für uns dar?

Von einer heute eingelagerten Tonne Plutonium sind nach 240.000 Jahren (zehn Halbwertszeiten) noch ein Kilogramm übrig. Schon wenige Milligramm Plutonium sind tödlich. Das Plutonium stellt also noch für viele hunderttausend Jahre eine tödliche Gefahr dar. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Gesellschaft über einen Zeitraum von einer Millionen Jahre ein Endlager betreiben und bewachen kann, daher muss das Endlager für mindestens eine Million Jahre sicher und endgültig versiegelt sein. Das Auswahlverfahren für ein mögliches Endlager muss höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.  Jeder Fehler bei der Endlagersuche wäre daher fatal, da eine Rückholung der Abfälle in diesem Szenario nicht möglich wäre.

Gibt es ein sicheres Endlager für den Atommüll?

Nein, bis jetzt gibt es lediglich Zwischenlager. So steht der hoch radioaktive Müll teilweise unter freiem Himmel. Die Deutschen lagern ihren Atommüll in Hallen beim umstrittenen Salzstock Gorleben zwischen und die Niederländer suchen vorerst gar nicht nach einer Lösung. Ein Endlager müsste den Atommüll für mindestens 1.000.000 Jahre sicher einschließen. Über 200.000 Tonnen hochradioaktiven Mülls warten bis jetzt auf ein sicheres Endlager. Mit jedem Jahr Laufzeit kommen aus den 17 deutschen Reaktoren rund 400 Tonnen Atommüll dazu.

Wie ist es um den Zustand des möglichen Endlagers Gorleben bestellt?

Im Salzstock Gorleben droht wie in der Schachtanlage Asse Gefahr durch Salzlauge. Anders als in der Asse dringt hier kein Wasser aus dem Deckgestein, es handelt sich um fossiles Wasser, das seit 250 Millionen Jahren im Salzgestein eingeschlossen ist. Trotzdem würde auch dieses eindringende Wasser die Behälter beschädigen, radioaktive Stoffe ausspülen, und es käme zu chemischen Reaktionen, bei denen Wasserstoff freigesetzt würde. Kritiker sehen auch einen Schwachpunkt in der sogenannten Gorlebenrinne. Sie ist eine Verschiebung im Deckgestein, die während der letzten Eiszeit entstanden ist.

Welche Probleme gibt es beim Uranabbau, der für den Betrieb eines AKW notwendig ist?

Die reichhaltigen und gut zugänglichen Uranvorräte werden schon in wenigen Jahrzehnten zur Neige gehen. 2009 wurden weltweit 50.500 Tonnen Uran abgebaut. Der Bedarf lag gleichzeitig bei 65.000 Tonnen. Das Defizit kann derzeit noch mit Lagerbeständen und ausgeschlachteten Atomwaffen gedeckt werden. Wiederaufbereitete Brennstäbe decken gerade mal vier Prozent des Bedarfs.

Vor allem in Entwicklungsländern wird Uran ohne Rücksicht auf Mensch und Natur abgebaut. Neben Gold und Diamanten schlummern auch Uranerze im afrikanischen Boden. Der französische Atomkonzern Areva baut seit über 40 Jahren in Arlit (Niger) Uran ab. Der radioaktive Schutt wird unter freiem Himmel gelagert und durch den Wind weit in der Umgebung verbreitet. Die Strahlung belastet so Gewässer, Böden, Tiere und Pflanzen und gefährdet damit die Lebensgrundlagen der Bevölkerung. Vom Reichtum der Bodenschätze kommt bei der Bevölkerung nichts an, die Schürfrechte werden über ihre Köpfe hinweg vergeben.

Ist der Strom aus Atomkraftwerken so zuverlässig, wie er dargestellt wird?

Nein, keineswegs. Auch Atomstrom ist nicht unabhängig vom Wetter. Die meisten deutschen Meiler kühlen ihre Reaktoren mit Flusswasser. Das heizt die Flüsse auf. In langen Wärmeperioden kann so die Temperatur in den Flüssen stark ansteigen. Dies führt zu einem Sauerstoffmangel im Wasser, und das Gewässer droht umzukippen. Bei einem Grenzwert von 28°C dürfen die Atomkraftwerke kein Kühlwasser mehr in die Flüsse leiten und müssen demzufolge abgeschaltet werden. Auch die komplizierte, gefährliche und dadurch anfällige Technologie in den Atomkraftwerken führt immer wieder dazu, dass Atomkraftwerke keinen Strom produzieren. 

Ist Atomkraft wirklich klimaneutral?

Nein. Gerne führen Atomkraftlobbyisten das Argument vom „Klimaschützer Atomkraft“ ins Feld. Das ist nur auf den ersten Blick plausibel. Richtig ist: Bei der Produktion von Atomstrom wird deutlich weniger CO2 ausgestoßen als bei Kohlestrom. Aber: Der Weiterbetrieb von Atomkraftwerken verhindert jedoch, dass erneuerbare Energien ausgebaut und wirklich saubere Techniken genutzt werden. Atomstrom verstopft die Netze und verhindert den Ausbau der Erneuerbaren. Eine Laufzeitverlängerung behindert auch dringend notwendige Investitionen in klimafreundlichere Energien. Schon jetzt reduzieren Stadtwerke Investitionen in hocheffiziente Kraftwerke, und der Aufbau von Offshore-Windanlagen steht still.

Auch Atomenergie produziert CO2, nämlich beim Uranabbau und Transport. Um aus dem Gestein das Uran zu gewinnen muss dieses geschmolzen werden. Das braucht Unmengen Energie. Da immer unrentablere Lagerstätten ausgebeutet werden, steigt der Energiebedarf bei der Verhüttung sogar noch an. Diesen Posten kalkulieren die Atomkonzerne nicht mit in ihre CO2-Bilanzen ein.

Atomkraft und Rot-Grün

Warum hat Rot-Grün nicht alle AKW abgeschaltet, als sie noch konnten, wenn die so gefährlich sind und sie das immer schon wussten?

Unsere grüne Forderung war damals der Sofortausstieg. Dieser war aber politisch nicht durchsetzbar, vor allem, weil die Eigentumsrechte der AKW-Betreiber dagegen standen. Der letztlich getroffene Ausstiegsbeschluss war dann ein Kompromiss, der auch diese Eigentumsrechte berücksichtigen musste. Wir haben es dabei in harten Verhandlungen mit der Atomwirtschaft geschafft, dass die Atomrisiken nur noch eine klar begrenzte Zeit lang von der Gesellschaft zu tragen sind und dass die Menge des Atommülls begrenzt wird.

Warum hat Rot-Grün bei der Sicherheit (insbesondre der älteren AKW) mit Blick auf den absehbaren Ausstieg nicht mehr so genau hingeschaut? Der Vertrag zwischen Trittin und den Betreibern war so gesehen doch auch ein „schmutziger Deal“.

Nein. Wir haben beim Atomausstieg die Sicherheit nicht schleifen lassen. Im Gegenteil. Im Ausstiegsvertrag von 2000 steht klipp und klar: „Während der Restlaufzeiten wird der von Recht und Gesetz geforderte hohe Sicherheitsstandard weiter gewährleistet.“ Das heißt konkret, dass Atomkraftwerke nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik zu betreiben sind und dass die Betreiber dazu verpflichtet sind, die  „bestmögliche Vorsorge“ zu treffen. Das wurde in einem Bundesverwaltungsgerichtsurteil inzwischen auch juristisch bestätigt.

Auf dieser Grundlage ordnete Jürgen Trittin als Bundesumweltminister mehrfach die Abschaltung von Biblis (zu kleine Sumpfsiebe, falsche Dübel), von Brunsbüttel (Wasserstoffexplosion) und von Phillipsburg (ungenügendes Sicherheitsmanagement) an. In Baden-Württemberg und Hessen geschah dies häufig gegen die CDU-Umweltminister. Diese mussten per Weisung gezwungen werden. Röttgen unterschlägt, dass mit dem Ausstiegsbeschluss erstmalig gesetzlich eine regelmäßige Sicherheitsüberprüfung aller Atomkraftwerke (PSÜ) mit festen Terminen vereinbart wurde. Einen Rabatt bei der Sicherheit von Atomkraftwerken hat es unter Rot-Grün nie gegeben.

Schwarz-Gelb hat das geändert und den bislang verbindlichen bestmöglichen Schutz aufgeweicht. Im neuen § 7d wird eine so genannte „weitere Schadensvorsorge“ eingeführt, die nur noch freiwillig ist und von den Atomaufsicht nicht angeordnet werden kann. Herr Röttgen hat so rechtswidrig die Sicherheitsstandards gesenkt. Gegen dieses skandalöse Gesetz klagen wir aktuell vor dem Bundesverfassungsgericht.

Jürgen Trittin hat zusätzlich im September 2003 ein umfassendes Programm zur Überarbeitung des völlig veralteten kerntechnischen Regelwerks (KTR) gestartet. Die Arbeiten wurden 2009 abgeschlossen. Die Bundesumweltminister Gabriel und Röttgen hätten das neue KTR durch eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger verbindlich machen können. Stattdessen wurde im Jahr 2009 in einer Vereinbarung mit den Ländern lediglich eine freiwillige Testphase bis Ende 2010 vereinbart. Inzwischen hat die Bundesregierung diese Probephase bis Mitte 2011 verlängert. Damit besteht bei der jetzt anstehenden Überprüfung der Altmeiler eine Sicherheitslücke im deutschen Atomrecht, die es sofort zu schließen gilt.

Wieso hat Rot-Grün überhaupt einen Vertrag gemacht, wieso wurde kein unumkehrbares Gesetz gemacht?“

Wir haben es nicht beim Vertrag belassen, sondern den Ausstieg im Atomgesetz rechtsverbindlich festgeschrieben. Unumkehrbare Gesetze sind in einer Demokratie nicht zu machen. Das wird auch die aktuelle Bundesregierung merken, deren Laufzeitverlängerung nach der nächsten Bundestagswahl keinen Bestand mehr haben wird.

Rot-Grün hat sich mit dem zehnjährigen Gorleben-Moratorium auch um die Endlagerfrage gedrückt.

Wir haben uns nicht gedrückt, im Gegenteil. Mit Rot-Grün hat sich erstmals überhaupt eine Regierung verantwortungsvoll dem Endlagerproblem gestellt. Vor dem rot-grünen Moratorium dienten alle Maßnahmen im Bereich der Endlagerung als Instrument zur Rechtfertigung der Atomenergie. An diese Politik knüpfen Merkel und Röttgen heute wieder an. Sie brauchen mit Gorleben ein Symbol zur Rechtfertigung ihrer Laufzeitverlängerung.

Nicht Stillstand, sondern die Beseitigung von Merkels Altlasten aus ihrer Zeit als Umweltministerin und die Minderung des Atommülls prägte rot-grüne Regierungszeit:

  • Das einstürzende Endlager in Morsleben haben wir geschlossen.
  • Das in Hanau lagernde Plutonium haben wir beseitigt.
  • Die Wiederaufarbeitung haben wir beendet und Transporte zu den Wiederaufarbeitungsanlagen verboten.
  • Die innerdeutschen Atomtransporten haben wir  durch dezentrale Zwischenlager beendet.
  • Mit dem AkEnd (Arbeitskreis Endlagerung, ein mit unabhängigen Experten – Befürwortern und Gegnern der Atomkraft – besetztes Gremium) wurden erstmalig Kriterien für ein transparentes Endlagersuchverfahren mit öffentlicher Beteiligung entwickelt, was heute in der Schweiz nicht aber in Deutschland praktiziert wird.
  • Die „Sicherheitstechnischen Einzelfragen der Endlagerung“ wurden erarbeitet.
  • Das 2005 von Jürgen Trittin vorgelegte Standortsuchgesetz wurde entgegen ihrer Koalitionsvereinbarung von der großen Koalition nicht weiterverfolgt. Wer war hier untätig und blockierte? Heute hat Norbert Röttgen alle Werkzeuge für eine zeitgemäße, zielführende und gerichtsfeste Endlagersuche zur Hand.

Was passiert denn, wenn wir die deutschen AKW abschalten – dann importieren wir doch Atomstrom aus Frankreich und Tschechien, oder?

Obwohl die Atomstrommenge in Deutschland seit Jahren tendenziell zurückgeht, erzielen wir enorme Überschüsse an Strom, die ins Ausland exportiert werden. Der Export-Saldo lag im letzten Jahr bei 14 Mrd. Kilowattstunden. Gleichzeitig werden große neue Stromerzeugungskapazitäten errichtet, vor allem erneuerbare.

Aktuell verfügen wir in Deutschland über eine Kraftwerksleistung von 135.000 MW, davon gut 20.000 MW Atomkraftwerke. Der maximale Bedarf liegt bei etwa 77.000 MW. Es gibt also heute schon einen Überschuss an Kraftwerksleistung, der künftig noch wachsen wird. In einer Leitstudie für das Bundesumweltministerium wurde kürzlich errechnet, dass wir schon bis 2020 40 % des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen können. Das wäre gegenüber heute mehr als eine Verdopplung.

Atomkraft ist  also für die Sicherstellung der Stromversorgung auch aus energiewirtschaftlicher Sicht kaum mehr erforderlich. Aus energiepolitischer Sicht können wir also den Atomausstieg selbst gegenüber den rot-grünen Beschlüssen deutlich beschleunigen. Weder werden wir im großen Maßstab Strom importieren noch droht uns eine Stromlücke, wenn die Atomkraftwerke vom Netz gehen.

Wie teuer würde der Ausstieg für die Stromkunden? Ist das überhaupt noch bezahlbar?

In den vergangenen 5 Jahren sind die Stromkosten für Privathaushalte um rund 25 % angestiegen, trotz Atomkraft. AKWs machen Strom nicht billiger, sondern erhöhen nur die Gewinnmargen der Atomkonzerne. Wir müssen in erneuerbare Energien, das Energiesparen und die Erneuerung der Stromnetze investieren. Das kostet zwar zu Beginn Geld, macht sich aber rasch bezahlt. Aktuell zahlt jeder Haushalt für den Ausbau erneuerbarer Energien 3,5 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde Strom. Auch bei einer Beschleunigung des Ausbaus ist davon auszugehen, dass dieser Wert auf etwa 4 Cent begrenzt werden kann. Das liegt daran, dass Erneuerbare immer billiger werden.

Heute schon haben erneuerbare Energien eine Strompreis senkende Wirkung. Denn je mehr Ökostrom an der Börse gehandelt wird, desto stärker sinkt der Beschaffungspreis für die Energieversorger. Dieser Effekt wird sich mit mehr Ökostrom verstärken und die Strompreisentwicklung dämpfen.

Auch wenn es beim rot-grünen Atomausstieg geblieben wäre, gäbe es keinen Unterschied zum jetzigen Vorgehen von Schwarz-Gelb.

Das ist falsch. Rot-grün hat die AKWs in Stade und Obrigheim stillgelegt. Die wären ansonsten noch am Netz. Nach unserem Ausstieg wäre auch Neckarwestheim 1 bereits stillgelegt. Und noch im laufenden Jahr würden trotz der Verzögerungstaktik der Atomwirtschaft Biblis A und Isar 1 folgen. In 2012 würden dann Biblis B und Philippsburg 1 endgültig vom Netz gehen.

Außerdem hätten wir längst das verschärfte Kerntechnische Regelwerk verbindlich gemacht und alle AKWs einer strengen Sicherheitsprüfung unterzogen. Minister Röttgen hat dies bislang abgelehnt.

Nordrhein-Westfalen

In NRW gibt es keine Atomkraftwerke. Warum spielt das Thema in unserem Bundesland überhaupt eine Rolle?

In Nordrhein-Westfalen gibt es zwar keine Atomkraftwerke, aber das Atom-Forschungszentrum Jülich, die Urananreicherungsanlage in Gronau, das Zwischenlager in Ahaus und die Konditionierungsanlage in Duisburg. Diese Einrichtungen sind Teil der atomaren Brennstoffkette, deshalb ist das Thema auch für uns sehr relevant.

Der Versuchsreaktor in Jülich ist inzwischen stillgelegt, der Rückbau kostet bis zu 1 Milliarde Euro – damit müssen die Steuerzahler die Zeche für ein gescheitertes Atom-Experiment entrichten. Nach wie vor gibt es für die 152 Castoren in Jülich mit hochradioaktiven Brennelemente-Kugeln kein Endlager. In Jülich muss die Bundesregierung endlich die Voraussetzungen für ein Zwischenlager schaffen.

In Gronau wird Uran für den weltweiten Einsatz in Atomkraftwerken angereichert. Damit ist auch diese Anlage Teil der weltweiten Brennstoffproduktion. Wenn man es ernst meint mit dem Atomausstieg, muss auch diese Anlage geschlossen werden. Wir wollen die notwendigen Vorraussetzungen dafür schaffen, dass die Genehmigung zurückgenommen werden kann.

Kommentare

    Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld